Mittwoch, 5. November 2014

Ausflüge und Touren - von Bali nach Sulawesi

Christine Sbick für Amed Scuba
Von Bali aus gelangt man nach Sulawesi am Abend mit dem Flugzeug von Air Asia innerhalb von nur 1,5 Stunden Flugzeit. Ich lebe seit einiger Zeit auf Bali und arbeite dort für die Tauchbasis von Amed Scuba und helfe dort, Reisen in andere Regionen zu organisieren. Von Amed Scuba aus bin ich aufgebrochen, um das Land der Toraja zu erkunden und unseren Freunden näher zu bringen. Nach ungefähr acht stündiger Fahrt über enge gewundene Straßen von Makassar über Pare Pare
Ke´te Kesu: Wohnhäuser mit Reisspreicher
nach Rantepao, erreichen wir heute morgen unser Ziel - Das Land der Toraja. Noch sind wir etwas Müde von der anstrengenden nächtlichen Fahrt und erfrischen uns kurz, aber nach der Dusche und kurzem Ausstrecken auf dem Bett, sind wir alle fit, das Torajaland zu erkunden und zu entdecken. Unser Fahrer Welly ist hier als Toraja geboren, aber seine Eltern zogen bereits in seiner Kindheit nach Makassar, da es in Makassar bessere Arbeitsmöglichkeiten für Indonesier gibt.  Stellt doch Makasar das Tor zwischen Ost- und Westindonesien dar. Auf diese Weise habe ich die einmalige Möglichkeit und Chance das Land der Toraja mit Hilfe der Augen eines Einheimischen zu sehen. Und natürlich habe ich viele Fragen zur Kultur der Toraja. Eine Kultur die mich fasziniert und gleichzeitig befremdet. Faszinierend ist es zu sehen, wie unterschiedlich Totenkulte ausgebildet sind. Wie Menschen mit dem Tod umgehen, aber als befremdend empfinde ich auch wie weitreichend der Einfluss des Jenseits bereits auf das Diesseits hat und so wandere ich im wunderschönen Land der Toraja zwischen den Toten, die das Leben der noch Lebenden durch den Vollzug ihrer Kulte auch begrenzen und Kapazitäten
Schnitzkunst am Reisspeicher (Alang)
Tongkonan - Wohnhaus mit Büffelhörnern
Torajahäuser in Ke´te Kesu
binden und eine Weiterentwicklung begrenzen. Im Land der Toraja gibt es unterschiedliche Klassen, wie mir Welly unser Reisebegleiter berichtet. Die Zugehörigkeit der Klasse ist bereits historisch und wird bedingt durch den Landbesitz. Es gibt reiche Landbesitzer (Tokapua), Großpächter (Tomakaka "großer Bruder") und Kleinpächter und Kleinbauern (Tobuda). Der Landbesitz ist auch heute mit Geldbesitz automatisch gekoppelt. Die alten Strukturen und Traditionen werden bis heute gepflegt und eingehalten. Die starre Sozialstruktur wird auch durch die gepflegten Traditionen aufrecht erhalten.Interessant sind die ungewöhnlichen Holzhäuser und die Begräbniszeremonien, die hier im Lande der Toraja stattfinden, so führt uns unser erster kleiner Ausflug nach Ke´te Kesu, das wohl das best erhaltene Torajadorf der Gegend ist. Ke´te Kesu ist berühmt für seine Schnitzkunst, die der Besucher an den Wohnhäusern, den sogenannten Tongkonan, und den ihnen gegenüber stehenden Reisspeichern, den sogenannten Alang, bewundern kann. Der Reisende bekommt eine beeindruckende Architektur vor Augen geführt. Die traditionellen Toraja Häuser besitzen Dächer in Schiffsform und die Häuserreihen verlaufen parallel in Ost-West-Richtung. Kein Nagel wurde für den Bau in traditioneller Bauweise verwendet. Die Wohnhäuser weisen nach Norden und sollen ihren Göttern entgegen blicken. Die Wohnhäuser Tongkonan sind genau wie die Reisspeicher Alang auf Pfähle gebaut und schweben über der Erde. Das Dach besteht aus übereinander gelegten Bambusschichten erinnert an die Form eines Schiffes. Die vorderen Stützbalken der Wohnhäuser sind mit zahlreichen Büffelhörnern geschmückt, die über die soziale Stellung der Bewohner Auskunft geben. Die Büffelhörner
Tongkonan stehen auf Stelzen
stammen von vorhergegangenen Beerdigungszeremonien. Je mehr Büffel auf einer Beerdigung geschlachtet worden sind, desto höher ist das Ansehen, das seine Bewohner genießen. Die Außenwände sind mit geschnitzten geometrischen Ornamenten in den Farben Rot, Schwarz, Weiß und gelb verziert.
Ein Weg zwischen den Häusern führt uns auf die Rückseite der Wohnhäuser und entlang von Verkaufsständen in ein grünes Tal zu einer Felswand, in der es die historisch sehr alten hängenden Gräber der Toraja zu sehen gibt. Bereits auf dem Weg in der Schlucht treffen wir auf weitere Häuser, die den Toraja allerdings nicht als Wohnhäuser dienen, sondern als Mausoleun, wo ihre verehrten Toten ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Vor den Häusern und in einer kleinen Höhle in den Felsen findet der Reisende sogenannte Tao Taos, lebensgroße Figuren aus Ananasholz, die den Toten im Alter seines Lebensendes darstellen und sehr lebensecht anmuten. Ihr Preis beträgt um die Dreimillionen Rupien.
Botane (Totenhaus oder Mausoleum)
Tao Tao



















An der Felswand findet der Besucher die sogeannten hängenden Gräber. Bereits
Hängende Gräber
Kunstvoll geschnitzter Holzsarg
unten am Fuße des Aufstiegs erkennt man Grabstätten und Särge. Man schreitet eine Treppe hinauf zu einer Höhle. Über einem befinden sich viele hängende, teilweise sehr aufwändig geschnitzte Holzsärge. Aus den verwitterten ragen bereits Schädel und Knochen hervor und auch dem Boden liegen verstreut Knochen von Verstorbenen. Die wichtigsten Ereignisse in den hiesigen Familien ist die Geburt, die Hochzeit und der Tod. Diese Zeremonien müssen dem Stande gemäß ausgerichtet werden. Bei Zeremonien der Mittelschicht (Tomakaka),
Teurer Albino Bulle im Toraja Land
die drei Tage dauert, werden vier bis zwölf Büffel getötet. (Name des Festes: Dipatallung Bongi) Besonders wertvoll sind die Albino Büffel, von denen bereits ein einzelner den Preis eines Mittelklassewagens in Indonesien hat. Bis zu 260 Millionen Rupien, umgerechnet 20.000 Euro kostet so ein Büffel mit blauen Augen. Die schwarzen Büffel hingegen sind bereits für "nur" 100 Millionen Rupien zu erhalten. Bereits bei der wohlhabenderen Mittelschicht wird 5 Tage gefeiert und dementspechend mehr geopfert. (Name des Festes: Dipalimang Bongi) Stierkämpfe werden bei den einwöchigen Dipapitung Bongi veranstaltet. Hier werden auch traditionelle Tänze aufgeführt, um die Besucher zu begrüßen, berichtet mir Albertine, eine junge Toraja, der ich mit ihrem Kind begegne und die großes Interesse auch für andere Kulturen zeigt. Dirapai ist das größte Totenfest. Diese sehr selten, da unglaublich teure Begräbnisfeier wird sehr selten von der Oberschicht den Tokapua abgehalten. Sie wird in zwei hälften von je einer Woche unterteilt. Jede Hälfte dauert eine ganze Woche, wobei auch Unterkünfte für die Besucher gebaut werden. Der Umfang des Festes und der geschlachteten Tiere ist unbezahlbar und wahrscheinlich auch kaum bezahlbar. Welly berichtet mir, das sich die Familien Bullen von anderen Familien ausleihen, die dann als Gegenleistung bei der nächsten Beerdigung von der Familie wieder gestellt werden müssen.
Christine Sbick
Hinterher werden die Toten in ihren aufwendig geschnitzten Särgen beerdigt. Bei den hängenden Gräbern werden die Särge an Holzgestellen in die Felswände gehängt und die aus Ananasholz gefertigten hölzernen Abbilder der Verstorbenen werden in deren Kleidern aus Tao Tao Figuren vor die Felswände in dort hineingemeißelte Höhlen gestellt. Oftmals stehen die Tao Tao nicht alleine sonder in Gruppen. Oft werden von den Angehörigen Wertgegenstände ins Jenseits mitgegeben, um den geliebten Angehörigen das Leben im Jenseits zu erleichtern. In der Vorstellung der Gläubigen verbleiben die Toten auf der Erde, müssen jedoch auf die lange und gefährliche Reise nach Puya,
einem mythischen Ort weit im Süden hinter dem Horizont, ausgestattet werden. Der Weg nach Puya beginnt im Tunnel einer Felsenhöhle. Erreichen die geliebten Verstorbenen tatsächlich nach langer Reise Puya so werden sie dort von den auf der Erde erbrachten Opfern ernährt. Es besteht für die Seelen jedoch auch die Möglichkeit, wenn die erforderlichen religiösen Rituale der lebenden Verwandten durchgeführt worden sind, den heiligen Berg Bambapuang zu besteigen und dadurch in die Oberwelt eingehen. Dadurch ergibt sich für die angehörigen ein starker sozialer und religiöser Zwang, der ihre Kapazitäten stark bindet.
Für weitere Fragen zur Reise stehen die Mitarbeiter von Amed Scuba gerne zur Verfügung!


Tauch- und Kulturreise - Auf dem Weg nach Menjangan

Morgens gegen 9 Uhr ging es los und nach kurzer Fahrzeit erreichten wir schon unser erstes Ziel: die Arak-Produktionsstätte. Dort wurde uns gezeigt wie der Arak hergestellt wird und wir durften sogar alle von dem starken Alkohol probieren. Der Geschmack ist anders als erwartet, aber trotzdem ganz lecker. Die Stärke dieses traditionsreichen Getränkes spürten wir auch noch, als wir alle wieder im Auto sassen. 
Marktfrau in Singaraja
Der nächste Halt war in Singaraja, wo wir über den Markt spazierten und so richtiges Bali-Feeling bekamen. Christine und Putu lehrten uns viel über balinesisches Gemüse und Obst, denn bei dieser grossen Auswahl verliert man schnell mal den Überblick, allein die Auswahl an verschiedenen Bananensorten ist überwältigend. Wir lernten auch viel über die balinesischen Kultur, denn an einem Stand wurden beispielsweise spezielle Gewürze verkauft, die neben dem gesundheitlichen Nutzen zusätzlich auch gegen schwarze Magie wirken sollen.
Nachdem wir uns mit verschiedenen Früchten eingedeckt hatten, fuhren wir weiter zu dem Gitgit-Wasserfall.
Auf dem Weg zum Gitgit-Wasserfall
 Nach einem kurzen Marsch waren wir auch schon da und das Panorama verschlug uns sichtlich den Atem. Mit viel Gewalt stürzt sich der Wasserfall in die Tiefe und von solch einem schönen Naturspektakel mussten natürlich sofort viele Beweisfotos geschossen werden. Nachdem wir beim Wasserfall den leckeren von Putu vorbereiteten Proviant, verspeist haben, nahmen wir noch ein erfrischendes Bad im Flussbecken, um danach mit neuer Energie weiterzufahren.





Putu Kelinci post gekonnt

Man gönnt sich ein Bad im Flussbecken
















Christine mit dem Luwak

Als nächstes hielten wir an einem MiniZoo, welcher viele einheimische Arten von Tieren vorstellte. Von Flughunden und Waranen über Schlangen und Chamäleons bis zum Luwak: alles wurde gezeigt und wir durften die Tiere auch alle anfassen.Viele Fotos wurden gemacht und ein kleiner Affe wollte sich gar nicht mehr von Christine lösen und musste mit einer Banane geködert werden.
Als nächsten besichtigten wir den berühmten Ulun Danu Tempel, welcher auch auf der 50´000 IDR Note abgedruckt ist.Aber natürlich ist es in natura noch viel beeindruckender als auf dem Geldschein.

Der Ulun Danu Tempel
 Als Abschluss nahmen wir ein Bad in den heiligen heissen Quellen. Das war genau das Richtige um die vom langen Sitzen verkrampften Muskeln zu entspannen und diesen ereignisreichen Tag ausklingen zu lasssen.
Das Abendessen nahmen wir auf dem Nachtmarkt, ganz typisch für Bali, zu uns. Wir probierten verschiedene indonesische Spezialitäten aus,und jeder fand etwas für ihn passendes.
Am nächsten Tag machten wir uns morgens auf nach Menjangan. Nach einer kurzen Bootfahrt sind wir auch schon beim ersten Tauchplatz angekommen und lassen uns rückwärts ins Wasser plumpsen. Der Tauchgang war wunderschön: eine Steilwand mit verschiedensten Korallen so weit das Auge reicht. Wir besichtigten

Der Tempel auf Menjangan

auch dem Ganesha-Tempel auf der Insel. Der zweite Tauchgang war ebenfalls fantastisch. Dieses mal hat uns sogar ein Weissspitzen-Riffhai einen schnellen Besuch abgestattet. Auch wenn auf der Bootsfahrt zurück ein hoher Wellengang herrschte und wir bei der Ankunft im Hafen etwa gleich nass waren wie nach dem Tauchen, so stand die Begeisterung trotzdem noch allen im Gesicht geschrieben, denn Menjangan ist wahrlich ein Paradies für Taucher!
Besuch auf der Perlenfarm

Am nächsten Tag besichtigten wir den Melanting Tempel, welcher im Vergleich zu den meisten anderen Tempeln sehr bunt ist. Danach besuchten wir eine Salzwasserperlenfarm wo uns der lange Prozess der Perlenzucht ausführlich erklärt und auch live gezeigt wurde. Nach diesem informativen Zwischenhalt hat Perlenschmuck jedenfalls bei mir an ganz neuem Wert gewonnen.
Der nächste Tauchgang war wohl für uns alle der Speziellste. Wir starteten unseren Mug-Dive vom Strand aus. Mug-Dives haben ihren ganz eigenen Reiz, denn anstelle von Korallen sieht man Sand und die Fische die man dort entdeckt, sind nicht schön und farbig sondern eher freaky, jedoch perfekt an die Bedingungen angepasst. Auch wenn Mug-Dives nicht jedermanns Sache sind, so lohnt es sich trotzdem,sich zur Abwechslung ins braune Nass zu wagen.
Der nächste Stop war Balis einziges buddhistisches Kloster. Wunderschön und ziemlich versteckt türmt sich

Das buddhistische Kloster
in einer kleinen Gartenanlage quasi eine Miniatur-Ausgabe des Borobudurs auf. Sobald man diesen magischen Ort betritt, wird man von einer inneren Ruhe erfasst, und man muss sich fast zwingen, diesen Ort der Stille wieder zu verlassen. Danach kamen wir in den Genuss, Balis scheinbar bestes Mie Goreng zu essen. Und wir hegen keine Zweifel an obiger Aussage, denn man überisst sich an der grossen Portion masslos. Aber es ist einfach zu lecker um den Teller nicht völlig leerzuessen.

Als glorreicher Abschluss dieser Tour machten wir noch einen Nachttauchgang beim Wrack der U.S Liberty in Tulamben. Die Atmosphäre war magisch und doch auch ein bisschen gruselig. Die schlafenden Büffelkopfpapageifische, die man mit grosser Sicherheit bei diesen Tauchgängen sichtet, sind ganz klar einen Besuch wert.
Dieser Tauchgang war die Krönung eines grossartigen Trips, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Kindergarten in Bali - Amed, Seraya

Bei meinem Besuch in Amed Scuba hatte ich mehrmals die Gelegenheit mit Made Putu den Kindergarten in Seraya Timur zu besuchen, in welchem sie ehrenamtlich arbeitet.
In diesem Post möchte ich gerne meine Erfahrungen hierzu schildern.
Der Kindergarten wurde vor rund 8 Jahren mit Hilfe von Spendengeldern und Sponsoren aufgebaut, um den Kinder aus armen Familien eine Bildungschance zu ermöglichen und ihnen abseits der Strasse einen sicheren Ort zum Spielen zu geben. Er ist etwa 30 Minuten Motorradfahrt von Amed entfernt und befindet sich auf einem Hügel in einem kleinen Gebäude mit zwei abgetrennten Räumen. Es gibt zwei grosse Tische, an denen jeweils etwa 15 Kinder sitzen. Im Gebäude gibt es keinen Strom, dank den Fenstern an der Wand strömt aber tagsüber trotzdem genügend Licht hinein. Das Dach ist strohgedeckt, der Boden ist aus schmutzigem Beton. Das Schulzimmer ist mit Papiergirlanden und Zeichnungen der Kinder dekoriert. Ansonsten hat es kein Inventar wie beispielsweise Spielsachen, welche in westlichen Kindergärten nicht wegzudenken sind.
Das Schulzimmer
Die Kinder, die den Kindergarten besuchen, sind zwischen drei und fünf Jahren alt und stammen aus Balis ärmsten Familien. Die Eltern dieser Kinder arbeiten entweder als Fischer oder Bauern. Viele der Kinder sind schmutzig und tragen abgewetzte Kleidung. Es arbeiten drei ehrenamtliche Kindergärtnerinnen gleichzeitig: Made Putu, Wayan Yunik und Kadek Anggreni.  Als wir ankommen, sitzen die Kinder bereits unruhig an ihren Tischen. Jedes Kind besitzt einen Rucksack mit einem Notizheft und ein paar Stiften. Es hat bedeutend mehr Jungs als Mädchen in der Klasse.
Made Putu, Wayan Yunik und Kadek Anggreni
Warten auf die Opfergabe
Als erstes werden die Kinder draussen in 3 Reihen platziert und eine der Kindergärtnerinnen bringt die Opfergabe zum hinduistischen Schrein. Danach geht’s zurück ins Zimmer und es werden verschiedene Lieder gesungen (oder geschrien, je nach Auffassung) Nachdem das Repertoire an Liedern ausgeschöpft ist, erklärt Made Putu an der Tafel etwas zum Buchstaben „A“ am Beispiel eines Apfels.


Made Putu erklärt


Danach werden Arbeitsblätter verteilt, auf denen paar Mal der Buchstabe „A“ geschrieben ist und die nun von den Schülern vervollständigt werden sollen. Die Arbeitsblätter sind jedoch keine Kopien, sondern werden von den Lehrerinnen jeweils einzeln gezeichnet. Die Kinder machen sich sofort an die Arbeit und im Minutentakt rufen sie „Ibu, Ibu“, was Lehrer heisst, und buhlen so um die Aufmerksamkeit der Kindergärtnerinnen, um ihnen ihre Arbeit zu zeigen. Die Kindergärtnerinnen machen die Runde und helfen wo nötig. Die älteren Kinder können die Aufgabe meistens problemlos meistern, während die Jüngsten nur konzentriert auf das Blatt kribbeln, was für Dreijährige auch nicht weiter verwunderlich ist. Nachdem die meisten das Blatt vollgeschrieben haben, werfen die Lehrerinnen einen kurzen Blick drauf, und je nach dem, wie gut und selbstständig die Aufgabe gemacht wurde, werden sie mit einem oder zwei Sternen gekennzeichnet.

Die fleissigen Mädchen
 Hat einer der älteren Schüler wirklich Probleme mit einer Aufgabe, so muss er diese als Hausaufgabe auf den nächsten Tag wiederholen. Nach der Korrektur kriegt jedes Kind eine (wieder handgezeichnete) Vorlage mit einem Apfel drauf, welcher in bestimmten Farben angemalt werden soll. Auffallend bei den Schülern ist, dass die Jungs viel wilder und oftmals weniger konzentriert als die Mädchen daherkommen. Die Mädchen scheinen viel mehr Lernbereitschaft an den Tag zu legen und sind vergleichsweise ruhig. Die Jungs schreien herum, machen Sprüche und tollen so lange im Schulzimmer herum, bis dass die mahnende Stimme der Lehrerinnen sie zurück zum Platz bugsiert. Nachdem alle ihre Zeichnung fertig haben, müssen sie ihre Arme auf dem Pult verschränken und warten, bis dass Made Putu das Frühstück, welches aus einer kleinen Tüte Chips und einem süssen Saft besteht, austeilt. Das Frühstück kostet 1000 Rupien, was nicht einmal 10 Cent entspricht. Putu erklärt mir, dass es aber vorkommen kann, dass manche Eltern nicht einmal das Geld dazu aufbringen können. Nachdem alle ihr Frühstück vor sich haben, falten sie ihre Hände, schliessen die Augen und beten. Sie danken den Göttern für diese Mahlzeit. Ein kleiner Junge betet jeweils vor, die anderen Kinder wiederholen das Gesagte. Putu erzählt mir, dass dieser Junge einmal „Holy Man“ werden wird, und schon jetzt das Vorbeten üben muss.
Nach dem Essen werden die Kinder nach Draussen auf den Spielplatz entlassen.

Der Spielsplatz
Es gibt eine Rutsche, ein Klettergerüst und ein paar Schaukeln. Die Jungs stürzen sich sofort auf die verschiedenen Geräte, während die Mädchen eher gehemmt an die Sachen herangehen. Ein paar der Mädchen setzen sich auch einfach auf den Boden und reden. Als ich die Kinder bitte, sich für ein Foto hinzustellen, tun sie dies voller Freude und als ich ihnen die Fotos nachher auf meiner Kamera zeige, sind sie begeistert und drücken mit ihren dreckigen Fingern auf dem Bildschirm.

Nach etwa 45 Minuten müssen die Kinder zurück ins Zimmer und eine Lehrerin erklärt noch einmal etwas an der Tafel. Danach wird wieder gesungen. Um Zehn Uhr ist die Schule zu Ende und alle schütteln den Lehrerinnen die Hand und führen diese dann an ihre Stirn. Kaum aus der Tür, sind auch schon alle abgezischt.

Mein Senf;
Putu arbeitet wie die beiden anderen Lehrerinnen freiwillig jeden Tag von 7.30 Uhr bis 10.00 Uhr. Kindergärtnerin ist auch in Indonesien ein typischer Frauenberuf, welcher in staatlichen Schulen auch gut bezahlt ist. Jedoch muss man sich seine Stelle an der Schule zuerst erkaufen, was rund 200Millionen Rupien kostet, ein Betrag den sich die meisten Leute nicht leisten können. Es wird also nicht aufgrund der Fachkompetenz der potentiellen Lehrer entschieden, sondern an deren Zahlkraft. Die Hindu-Religion mit ihren zahlreichen Zeremonien ist hier in Bali omnipräsent. Es wird sehr viel Geld in die verschiedenen Zeremonien und Feste gesteckt, und ich habe das Gefühl, dass sich die Leute hier, die sowieso schon finanziell nicht sehr gut gestellt sind, sich damit noch selbst ins Bein schiessen. Geld, welches man für die Bildung der Kinder einsetzen könnte, wird in zahlreiche Religiöse Feste gesteckt. So kommt es auch vor, dass an einem Tag wegen einem Tempelfest nur fünf von sonst über dreissig Kinder erscheinen.
Den Kindergarten finde ich eine sehr gute Sache, denn Bildung ist der Weg aus der Armut. Wenn aber Religiöse Feste die Kinder von der Schule abhalten und die Schulden der Eltern, die sie sich wegen Zeremonien aufhalsen mussten, die Kinder daran hindern, zur Schule zu gehen, so funktioniert das System natürlich nicht. Dass es viel mehr Jungs als Mädchen im Kindergarten hat, kommt nicht von ungefähr. Wenn eine Familie mehrere Kinder hat, und das Geld nicht ausreicht, um allen Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen, so bleibt den Mädchen oft die Schule verwehrt. Dies liegt daran, dass die Mädchen nach der Heirat ab sofort der Familie des Mannes angehören. Wenn man also die Wahl hat, so ist es finanziell klüger, die Jungs zur Schule zu schicken, sodass das Geld, welches sie nach der Ausbildung verdienen werden, auch in der Familie bleibt. Die ganze Bildungsproblematik fängt also schon bei der schlechten Stellung der Frau an.
Was ich an diesem Kindergarten konkret aufgefallen ist, ist das trotz des jungen Alters der Kinder, schon relativ viel Stoff durchgenommen wird, welcher man eigentlich erst ab der ersten Klasse lernt. Ich weiss nicht, wie viel die Kinder davon wirklich profitieren können, vor allem da kein Lernplan und keine Lehrbücher vorhanden sind. Jedoch erklärte mir Putu, dass wenn die Kinder im Kindergarten nichts lernen, sondern nur singen und spielen, die Eltern keinen Grund sehen, ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken. Wie viel die einzelnen Kinder von der Schule profitieren können hängt auch vom Einsatz der Eltern ab. Verweigern sie den Kindern Unterstützung bei den Hausaufgaben, oder ermutigen sie sie nicht, zu lernen, so ist es für das Kind ein viel grösseres Hindernis. Auffallend ist ebenfalls, dass man nie irgendwelche Spiele in der Gruppe macht, sondern entweder die Aufgaben in Einzelarbeit oder halt draussen spielen. Ich bin mir sicher, dass der Kindergarten eine gute Sache ist, der den Kindern Abwechslung verschafft und die Gelegenheit gibt, etwas zu lernen. Doch die ganze Bildungsproblematik reicht viel tiefer und fordert erst mal ein Umdenken in den Köpfen der Menschen.

Liebe und Tod auf Bali

Liebe und Tod auf Bali

Liebe auf Bali und die Bali Gigolos, Beach Cowboy´s oder Bali Beach Boys. Auch hier in Amed hat das eine bedeutende Rolle eingenommen. Freundschaft, Unterhaltung und Romance. Die Jungs sind süß, witzig und lieb. Erzählen von ihren gebrochenen Herzen und bekommen die Aufmerksamkeit von den Reisenden und häufig zahlen diese auch nach ihrer Abreise mit Geld oder mit Liebeskummer. Tagsüber wird gelassen gearbeitet oder auch nicht und nachts getrunken, Gitarre gespielt und die letzten Liebeslieder gesungen. Viele der Jungs hier aus Amed, Jemeluk und Lippah haben eine westliche Freundin und gleichzeitig schweigt die Ehefrau und die Familie daheim. Warum? Sollte sie sich scheiden lassen, so verliert die Ehefrau die Unterstützung der Familie, in die sie hinein geheiratet hat und wo sie nach der Eheschließung hingezogen ist. Aber noch viel wichtiger, sie verliert ihre eigenen Kinder, denn diese müssen im Elternhaus des Ehemannes verbleiben. Also wird in der Regel geschwiegen. Leider ist das mittlerweile hier in Amed auch keine Ausnahme mehr. Viele der Boys haben die still schweigende Ehefrau daheim und gleichzeitig die meist zahlende westliche Freundin. Kommt die Freundin zu besuch, so wird die Ehefrau kurzerhand zu ihren Eltern in den Urlaub geschickt oder sie wird als Schwester ausgegeben.
Fragt man die Jungs, ob sie verheiratet sind, sagen sie nein, aber auch die Freunde werden für sie schweigen. Im Dorf wird sicherlich nichts gesagt, denn man möchte ja keinen Ärger haben.
Bali ist sicherlich ein Paradies auf Erden! Aber auch im Paradies gibt es eben auch die Schlange. Entwicklung ist notwendig und Erfahrungen müssen gemacht werden. Aber bei allem! Passt gut auf Euch auf!


Gestern kam der Wind vom Meer und die Balinesen sagen, das nimmt dem Körper die Energie. Daher sei es gut in Bewegung zu bleiben. Mich macht der Regen ebenfalls ruhig, aber ich genieße die Zeit mit einem guten Buch und einer Menge Tee.
Heute Morgen ist die alte Großmutter meiner Nachbarn gestorben. Sie war bereits sehr alt, wie mir hier alle sagen. Ein genaues Alter kann man hier auf Bali jedoch nur selten angeben, denn die Geburten fanden und finden teilweise immer noch zu Hause statt und ein Geburtenregister gibt es nicht.
„Das Ende der Geburt ist der Tod. Das Ende des Todes ist die Geburt. Das ist Gesetz.“ So steht es in der Bhagavadigita, dem „Gesang des Erhabenen“ in der Schrift der gläubigen Hindus. Die Hindus glauben, dass der Körper nur eine schwache, vergängliche und unreine Hülle für die unsterbliche aber ebenfalls unreine Seele ist. Aus ihrer Sicht hält sich diese Seele noch so lange im Körper des Verstorbenen auf, bis sich der Körper in seine fünf Grundelemente aufgelöst hat. Nach balinesischer Auffassung ist das Leben daher nur ein kurzes, vorübergehendes Dasein in sich wiederholender Evolution der unsterblichen Seele. Viele der Balinesen glauben fest daran, dass sie im kommenden Leben auf jeden Fall eine bessere Inkarnation als die diesige erreichen werden. Daher ist der Tod für sie nicht endgültig sondern der der freudige Neubeginn der geistigen Wiedergeburt. Aber natürlich wird heute in der Familie getrauert und die Menschen, die meine alte Nachbarin kannten und besonders ihre Familie ist traurig über den Verlust, aber sie werden auch versuchen die Seele der Verstorbenen frei zu setzen, indem sie sie später verbrennen. Doch bis dahin ist es noch viel Zeit, denn der balinesische Kalender weißt dafür die besten Tage aus. In der Regel liegen diese um den August. Aber auch das Geld, das für eine teure Verbrennung erst einmal gespart werden muss, gibt die Zeit an, wie lange der Leichnam in der Erde liegen muss.
Heute wird die alte Frau aufgebahrt und die Nachbarn kommen vorbei. Um 16 Uhr soll die Beerdigung noch am selben Tag stattfinden. In den Tropen ist dies auch aus hygienischen Gründen sehr wichtig, aber für die Trauer und den Abschied lässt dies wenig Raum. Zuvor wird die Frau gewaschen, eingekremt. Die Creme besteht aus einer Mischung aus Salz, Essig, Reismehl und Sandelholz. Ihr gesamter Körper wird in einen weißen Tempelsarong wie in ein langes Gewandt gewickelt und darüber trägt sie ihren eigenen Sarong um die Hüften gewickelt und ihre Hände werden über der Brust gefaltet. Die Handgelenke der Toten werden mit einer Art Ritualgeld, den so genannten Kepengmünzen geschmückt und auf die Augen wird Glas und auf die Nase wohlriechende bunte Blüten auf die Zähne, Arme und Beine werden Nägel gelegt. Alle dieser Schmuck hat eine Rituelle Bedeutung und die Frau des Priesters, der auf dem Berg lebt, leitet dieses Ritual mit großer Kenntnis. Nach der Wiedergeburt sollen die Augen wie Spiegel strahlen, die Zähne, Arme und Beine sollen hart wie Eisen sein und der Atem so rein wie der Blütenduft. Danach wird die Verstorbene noch am selben Tag der Erde übergeben. Dazu wird nachher eine Prozession zum Friedhof in Amed stattfinden, wo die Verstorbenen auf einem Bambusgestell, dass gerade gebaut wird, aufgebahrt und von den Dorfeinwohnern zu ihrer vorläufigen Ruhestätte getragen wird. Nachdem die Begleiter zurück nach Hause kommen, waschen sie sich im Meer, um den Körper, der durch den Kontakt mit der Toten als unrein gilt, zu reinigen. Vor jedem Haus glimmt die Nacht über eine Kokosnuss, die die verstorbene Seele daran hindern soll, in ein Haus einzudringen und keine Ruhe zu finden. Nachdem sie sich in Erde aufgelöst hat, muss der Körper noch zu Luft, Feuer, Wasser und Atmosphäre werden. Die Religion legt die Menschen hier schon ein wenig in Fesseln, denn sollte der verstorbene Körper diese Prozesse nicht durchlaufen, weil ihre Kinder kein Geld für die Prozessionen haben, so bringt dies Nachteile für die Enkelkinder der Verstorbenen. Die meisten Balinesen sind gezwungen den Körper erst einmal zu begraben und mit der unglaublich teuren Verbrennung zu warten bis die Familie genug Geld hat oder sich mehrere Familien zusammen finden. Dies kann Jahre dauern, bis das für die Verbrennungsfeier nötige Geld zusammen gekommen ist. Manche Familien verkaufen sogar ihr Land, um die Verbrennung durchführen zu können. Viele der ärmeren Familien schließen sich zu Massenverbrennungen zusammen, um die anfallenden Kosten für die Verbrennungsfeier zu verringern.
Die eigentliche Verbrennung stellt nur den Höhepunkt der Feierlichkeiten dar, denn bereits Monate vorher wurde vom Priester im Kalender ein günstiger Zeitpunkt für die Zeremonie festgelegt. Auch meine Nachbarn auf der gegenüberliegenden Seite haben so eine Zeremonie vor sich und suchen bereits Käufer für ihr Land in Bunutan.
Kommt dieser Zeitpunkt so wird der Leichnam des Verstorbenen wieder ausgegraben oder seine Überreste und in einen hölzernen Turm (Wadah) gebettet und in lustigen Zeremonien zum Verbrennungsplatz getragen. Die balinesischen Teilnehmer einer solchen Totenverbrennung scherzen und lachen, sie sind fröhlich und ausgelassen, denn an diesem besonderen Tag wird die Seele des Verstorbenen endlich befreit und kann ein neues Leben beginnen. Die Höhe des mit buntem Papier verkleideten Bambusturms richtet sich nach dem Stand des Verstorbenen. Heute darf dann keine Träne mehr fließen, es muss ein lustiger Tag sein, der die Seele nicht an die Erde bindet sondern ihr ermöglicht den Körper zu verlassen. Dazu spielt eine Gamelan-Gruppe, Opfergaben werden bergeweise aufgebahrt und je nach Kastenzugehörigkeit wurde filigran ein Tier für die Verbrennung geschnitzt. Dieses Tier stellt den Kremationssarg dar (Patulangan). Meist handelt es sich dabei um einen ausgehöhlten Baumstamm, der mit Stoffen und buntem Papier verkleidet ist. Das Tier kann je nach Kastenzugehörigkeit ein weißer Stier oder weißer Bulle sein oder ein geflügelter Löwe, ein Hirsch oder Elefantenfisch. Am Verbrennungsplatz werden die Überreste des Verstorbenen in dieses Tier mit den Opfergaben hinein gegeben. In nur wenigen Minuten geht dann alles in Flammen auf. Ist alles heruntergebrannt wird die Asche wieder eingesammelt und in einer festlichen Prozession dem Meer übergeben. Erst dann ist die Seele vollständig vom Körper befreit.
Auch wir wurden Zeugen solch einer großen Verbrennung. Stirbt ein Angehöriger einer hohen Kaste, so wird er in einem weißen oder in einem schwarzen Stier verbrannt. Das Ereignis wird mehrere Tage gefeiert und kostet die Angehörigen Unmengen von Geld, die in der Regel nur durch Landverkauf zu finanzieren. In einem hohen Holzturm tragen die Verwandten und Freunde den Sarg mit dem Leichnam unter Gamelan Klängen von Lippah aus zum Verbrennungsplatz am Meer. Dabei drehen sich die Träger des Bambusgestelles, auf dem der Sarg ruht, um die bösen Geister abzuschütteln und um die Seele des Verstorbenen zu verwirren, damit sie nicht wieder Heim findet, sondern sich auf den Weg in die nächste Inkarnation macht. Als das Bambusgerüst endlich neben dem Verbrennungsgerüst niedergelassen wird, holen die nächsten Angehörigen den Sarg aus dem Turm und platzieren ihn in dem künstlerisch gestalteten schwarzen Stier, der im Anschluss in Flammen aufgehen soll. Der Verstorbene gehörte einer hohen Kaste an, daher wird er in einem Stier in Flammen aufgehen.
Die Verbrennung stellt jedoch nur den Höhepunkt der Toten-Zeremonien statt, die von Kaste zu Kaste und von Ort zu Ort verschieden aussehen, aber immer sehr beeindruckend sind. In der Religion und im Glauben der Hindus Balis ist fest verankert, das das Leben aus drei Ebenen besteht. In der Oberwelt leben die Götter und er stellt ebenfalls den Aufenthaltsort der vergöttlichten Ahnen dar (Pura Puseh, den Himmel), wir Menschen leben auf der so genannten Mittelwelt (Pura Desa, der Erde) und dann gibt es im balinesischen Glauben auch noch die Unterwelt, in der die Dämonen und die Todesgöttin Durga hausen und die täglich durch Opfergaben beruhigt werden muss (Pura Dalem, der Hölle).
Mit dem Tod fällt der Mensch in diese Unterwelt und wird zum Diener des Totengottes Batara Yama. Die Seele des Verstorbenen irrt so lange in der Nähe des Verstorbenen umher, bis der Körper beerdigt und damit der Unterwelt zugeführt wird. Bei der späteren Ausgrabung vor der Verbrennung gewinnt auch die Seele des Toten wieder Einlass in die Menschenwelt und erfährt erst dann endgültige Erlösung, wenn der Körper den Flammen überantwortet worden ist. Dann wird der Körper seinem Ursprung und die Seele Gott zurückgegeben.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Balinesische Tempel

Bali
Amed Scuba Diving Tauch- und Kulturrundreise in Bali - Besakih Tempel

"Morgen der Welt", wurde das paradiesische Eiland einst vom indischen Premierminister Nehru bezeichnet. " Insel der Götter und Dämonen" ist die Bezeichnung der Balinesen für eine Trauminsel, die für viele Touristen aus aller Herren Länder der Inbegriff des Paradieses auf Erden darstellt.
Amed Scuba - Tauchrundreise Bali
Die kleine, grüne Schale aus Bananenblättern gefaltet, steht vor dem gemächlich, plätschernd dahinfließenden Fluss in Ubud. Ein Keks, frische Früchte, ein Kaffee und eine Zigarette liegen neben dem Räucherstäbchen, neben bunten, süßlich duftenden Blüten. Eine Gabe für die Götter, die liebevoll mehrmals am Tag beschenkt werden, auch um Unglück vom Haus abzuhalten. Für mich liegt in dieser kleinen Schale Balis ganze Magie. Diese Düfte, diese liebevolle meditative Zubereitung, das sprechen der dazugehörigen Mantras. Es beruhigt, den Menschen bei dieser ausgeglichenen Tätigkeit allein zu beobachten. Um das Leben mit Göttern und Dämonen im Paradies im Ausgleich und im Einklang zu halten. Lebenslange Aufgabe eines Balinesen ist es, die Balance zwischen den positiven und negativen
Kräften zu wahren, da die Gesamtheit des Handelns eines Menschen bestimmend für sein Schicksal von einer Inkarnation zur anderen ist. Dieses Handeln manifestiert sich im Karma. Es entscheidet sowohl über die Zukunft der unsterblichen Seele (Atman), die einem kontinuierlichen Zyklus von Geburt, Sterben und Wiedergeburt (Samsara) unterliegt als auch über die Zukunft und den Charakter der eigenen Kinder und das Karma manifestiert sich bereits auf Erden, indem Fehler immer wieder wiederholt werden müssen, bis Verstanden und Gelernt worden ist. Die balinesische Kultur fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Wer Bali das erste Mal betritt, wird fast geblendet sein von der Flut an Opfergaben. Fünfmal täglich sollte den Hausgöttern in ihren Schreinen, aber auch Geistern und Dämonen geopfert werden. Über 20.000 Tempel, unzählige Schreine und Pagoden zeugen von der Anwesenheit der Götter und Dämonen auf Bali. Immer wieder bin ich fasziniert von bunten Tempelfesten und deren prächtigen religiösen Titualen, den feierlichen Prozessionen und prunkvollen Feuerbestattungen in balinesischen Tempeln.
Amed Scuba Tauch- und Kulturreise in Bali - Besakih Tempel

Balinesische Tempeltypen

Bali gilt als die Insel der zehntausend Tempel. Jedes balinesisches Familienanwesen verfügt über einen Familien- oder Haustempel (Sanggah). Ein Tempelschrein sollte dem Eingang zugewandt sein und ein Tempelschrein soll zum Agung hin ausgerichtet sein, um die Bewohner des Anwesens zu schützen. Hier werden die Opfergaben jeden Tag verteilt, aber auch an alle Dinge, die für die Balinesen energetisch sind, wie Flussläufe, Bäume oder Steine finden Verehrung. Der eigentliche Haustemple sollte aus vier Schreinen bestehen, von denen Sanggah Kemulan als Stätte der Ahnenverehrung am bedeutendsten ist.
Dorftempel stehen entlang der Berg Agung - Meer - Achse ausgerichtet. Drei sollten es mindestens
Amed Scuba - Tauchrundreise Bali, Besakih Tempel
zum Schutze des Dorfes sein. Jedoch hat jede Großfamilie zur Identitätsbindung oftmals ebenfalls einen größeren Familientempel in der Stadt aus der sie ihre Herkunft beziehen. (Balinesen besitzen keinen Nachnahmen, aber leiten ihre Familie aus der Tempelherkunft ab).
Die drei wichtigsten Tempel zum Schutz des Dorfes sind der Pura Dalem, der Pura Desa und der Pura Puseh.
Der Ursprungstempel Pura Puseh (puseh = Nabel, Ursprung), der den Dorfgründern geweiht ist, liegt immer bergwärts zum Mutterberg Agung hinweisend. Hier befindet sich der Sitz der Götter. Der Pura Puseh stellt den rituellen Mittelpunkt des religiösen Lebens des Dorfes dar. Der Tempel liegt immer im Zentrum des Dorfes und dient der Kontaktaufnahme mit den Göttern der Oberwelt. Im Pura Desa (Desa = Dorf) werden hauptsächlich die religiösen Tageszeremonien vollzogen. Er dient den
Amed Scuba - Tauch- und Kulturreise, Ulun Danu Tempel
Bewohnern auch als Versammlungsort. Der Pura Dalem hingegen liegt am Rande oder außerhalb  des Dorfes und ist dem Ozean hin zugewandt. Er ist der Todesgöttin Kali bzw. Durga der Rachegöttin geweiht und stellt die Verbindung zur Unterwelt her, denn hier in der Nähe befinden sich die Begräbnisstätten und der Verbrennungplatz an dem auch die Cremetion Zeremonien (Narben) vollzogen werden.

Amed Scuba Tauch- und Kulturreise, Menjangan Tempel

Baudekor
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Balinesische Tempel sind reich an Steinmetzarbeiten. Neben Blüten, Dämonenköpfen, Shivadarstellungen, unzähligen Arabesken und Spiralen finden sich auch Hexendarstllungen, Schildkröten oder Fahradfahrer. Die Kultstätten sind dekoriert mit fantasievollem Skulpturenschmuck und muten fast barock an. Am Eingang der Tempel befinden sich Tempelwächter. Diese haben schreckliche Gestallten und sollen böse Geister vom betreten der Tempel abhalten, den sie sehen diesen Unterweltwesen recht ähnlich.
Amed Scuba Tauch- und Kulturreise, kein Hindu Tempel, Buddhistisches Kloster in Bali

Anlage eines Tempels

Balinesische Tempel (Pura) unterscheiden sich nach Bedeutung und Bestimmung, sind sich hingegen in Anlage und Ausstattung recht ähnlich. Die Architektur soll das Wesen des hindu-balinesischen Glaubens wiederspiegeln. Es sind offene, helle Anlagen, die in verschiedene Höfe geteilt und von Mauern umschlossen sind. Die Anlage folgt dabei in der Regel einem festen Schema. Ein Tempel besteht aus drei (in Nordbali aus zwei) durch Mauern umfriedeten Plätzen, die im Baukastensysem von groß nach innen kleiner werden. Diese durch Mauern voneinander getrennte Plätze werden durch Tore miteinander verbunden. Dabei liegen die Tempelhöfe in Südbali normalerweise auf einem ebenen Niveau im Norden hingegen werden die Höfe in Terrassen gegliedert.
Amed Scuba - Tauch- und Kulturreise, Tanah Lot Tepmel
Die Tempel betritt man durch ein gespaltenes Tor (candi bentar). Dieses Eingangstor verkörpert die unser Sein bestimmenden Gegensatzpaare. Dabei enthält die Front des Tempels oftmals drei Eingangstüren. Die mittlere ist die am aufwendig gestaltete, rechts und links daneben befinden sich kleinere etwas unauffällig gestaltete Eingangs- und Ausgangstüren. Das mittlere Tor sollte niemals als Eingang benutzt werden, denn es dient den bösen Geistern als Vorgetäuschte Tür. Das Böse, das arrogant daherkommt, würde versuchen über die auffällig dekorierte mittlere Eingangsür zu schreiten und steht am Ende vor einer verschlossenen Tür. Die dezenten Seiteneingänge werden von den demütigen Gläubigen betreten. Durch die linke tritt der Gläubige ein und durch die rechte verlässt er den Tempel wieder. Ist man durch die linke Tür im ersten Hof (jaba sisi), eine Art Vorplatz, angelangt, so findet man kleine Pavillons (Bales) zur Erholung vor. Hier findet man auch manchmal eine Küche zur Vorbereitung von Opergaben oder für große Hochzeiten vor. Der erste Hof symbolisiert die irdische Welt. Gelegentlich steht in einer Ecke ein Turm oder ein Waringinbaum mit der hölzernen Signaltrommel (kulkul).
Muttertempel Besakin besteht aus über 200 Einzelkomplexen in ca. 900 Meter Höhe
In den nächsten, dem mittleren Hof (jaba tengah), der als Sammlungsplatz vor dem Gebet dient und wo man oft die Gamelanorchester antrifft, gelangt man über ein aufwendig verziertes weiteres Tor (Kori Agung).  Dieses in Südbali wohl am aufwendigsten gestaltetes Monument wird von den Tempelwächtern bewacht. Zur Bewachung stehen zwei Wächterdämonen (raksasa) oder die
Lampujang Tempel, einer der Haupttempel für die Richtung
Wächterhexen (rangda) vor dem Durchgang. Direkt hinter dem Eingang befindet sich eine Steinmauer (aling aling), die den bösen Geistern den Weg versperrt, da diese nur gerade gehen können. Die bösen Geister laufen daher immer wieder gegen die Mauer, bis sie aufgeben.
Der gute Barong kämpft in Bali gegen das Böse
Ein letzter Tordurchlass geleitet die Gläubigen in das innere des Tempels, das den Göttern und dem Beten vorbehalten ist. Dieser innere Tempelbereich (jeroan) beherbergt die eigentlichen Schrein und die Altäre, die mit dem Rücken zum Berg aufgestellt sind. Diese dienen den Göttern während ihres Besuches auf Erden als Aufenthaltsorte. Der Tempel ist also nicht die ganze Zeit über vom göttlichen besucht, sondern nur zu besonderen Anlässen, wenn die Priester die Pagoden, Altäre und Schreine öffnen, kommen die Götter und Ahnen zu Besuch. In den Schreinen befinden sich wertvolle und für die Balinesen göttliche Masken und Kultgegenstände aus alter Zeit wie zum Beispiel Lontarbücher, Kris, antike Steinskulpturen oder steinerne Phallussymboledes Shiva. Im inneresten Tempelbezikr fehlt nie der steinerene, dem Sonnengott Surya geweihte Lotosthron (Padmasana), der den Kosmos symbolisiert. Der Thron, dessen Rückseite immer dem Agung zugewandt ist, ruht auf der mythologischen Schildkröte Bedawang. Auf dieser Schildkröte Bedawang ruht auch Bali. Bewegt sie sich, so entstehen auf Bali Erdbeben.

Meru
Die Anzahl der mit Palmenfasern gedeckten Dächer einer Pagode werden Merus genannt und sind auf steinernen Sockeln errichtete Holzkonstruktionen mit unterschiedliche vielen, pagodenartig gestalteten Dächern. Sie symbolisieren den Weltenberg Meru, den Sitz der Götter. Die ungerade Anzahl der Dächer lässt erkennen, welchen Rang die jeweiligen Gottheit im balinesischen Götterhimmel einnimmt. Je höher die Anzahl, desto bedeutender der Gott. Elf Dächer stehen alleine Shiva dem Gott der Schöpfung und Zerstörung zu.