Sonntag, 21. April 2013

Balinesisches Neujahr

Tauchtour Amed Scuba
Balinesische Feste
http://www.amed-scuba.de

Als ich heute Morgen auf Bali erwachte, herrschte eine unglaubliche Stille. Ich genoss das Rauschen des Meeres, das Gezwitscher der Vögel und selbst die sonst immer störenden Hühner schien man kaum wahrzunehmen. Kein Verkehrslärm, keine Maschine störte dieses Idyll und ich fühlte mich wie in eine frühere Zeit versetzt, so muss das Paradies einmal gewesen sein! Ein einziges Fest für Augen und Ohren, eine grüne Landschaft und nur die Tiere sind zu hören, und ich danke diesem Fest Nyepi, das mir diese Ruhe beschert, die sich bis in mein Innerstes ausbreitet und mir diesen wunderbaren entspannten Tag der Stille schenkt! Zwischen Himmel und Erde schwirren grellbunte Schmetterlinge, exotische Vögel singen ihr Lied vor leuchtend roten riesigen Hibiskusblüten, feurig leuchtenden bunten Bougainvillea Blüten und süßlich duftendem Frangipani. Zwischen Mensch und Natur, zwischen Göttern und Dämonen scheint es eine unglaubliche Ausgeglichenheit zu geben, die uns Beobachter erstaunen lässt und über die ich hier berichten möchte.
Ogah Ogah in Ubud-Tauchtour Amed Scuba

Jede Aktivität ist heute an Nyepi, dem Tag der Stille, verboten. Niemand darf heute herumfahren und auch möglichst nicht auf die Straße gehen. Wird man heute auf der Straße in Bali angetroffen, so zahlt der erwischte Balinese bis zu 1 Million Indonesische Rupiah, was einem Monatslohn entspricht. Heute dürfen die Balinesen weder kochen, noch Licht machen. Der Tag soll ihnen zur Ruhe, inneren Einkehr und Meditation dienen. Die Geschäfte bleiben geschlossen und Flugzeuge dürfen weder starten noch landen.

Nyepi ist ein altes balinesisches Fest der Hindus auf Bali und wenn es heute auch von vielen aus ökologischen Gründen als positiv betrachtet wird, weil die Natur einen Tag zum Durchatmen ohne jeglichen Verkehr und Umweltverschmutzung erfährt, so basiert das Fest doch auf diesem alten Glauben der Balance zwischen Gut und Böse, zwischen Göttern und Dämonen.


Wunderschöne Balinesische Zeremonien
Die Frauen schmücken sich zum Fest
Die Hindus hoffen, dass die verängstigten Dämonen, die am Vorabend am Ogah Ogah Fest die Insel verlassen haben, weil die bösen Geister gestern symbolisch unter viel Gejohle und Gelächter von den Balinesen verbrannt wurden, nicht mehr nach Bali zurück kehren, da die Insel heute am Silent Day (Nyepi) für die Dämonen unbewohnt erscheint. Fliegt einer dieser nach Rache dürstenden Geisterheute über die Insel so denkt er, „oh, die Balinesen sind geflohen“ und der böse Dämon zieht für immer davon.
Traditionelle Kleidung zum Fest - Amed Scuba Tour
Auf Bali, so glauben die Bewohner ganz fest, hat derjenige Glück, der die Seelen der Dämonen durch Opfer und Rituale gnädig stimmt und das Wohlwollen der guten Geister und Götter auf seine Seite zu ziehen vermag. Bevor der indisch geprägte Hinduismus durch die Immigration der javanischen Intellektuellen nach Bali kam und eine neue Kulturepoche einleitete, war unter den Ureinwohnern Balis der Animismus weit verbreitet und findet auch heute noch seinen Platz im hinduistischen Glauben der Balinesen. Das lateinische Wort „anima“ bedeutet Seele und somit glauben die Balinesen auch heute noch an dieBeseeltheit der Natur. Dazu gehören nicht nur die Tiere,
Spaß hat jeder bein Ogah Ogah Fest- Amed Scuba Tour
sondern auch das Wasser, bestimmte große oder einflussreiche Steine, das Feuer, der Wind usw. Vor allem aber auch die Geister, deren Seelen sich positiv oder negativ auf die Balinesen auswirken können. Also finden wir neben dem Hinduismus noch eine Form der Naturreligion vor, die von den Balinesen perfekt in ihren hinduistischen Glauben integriert worden ist. Auf Bali sind die Menschen und ihre Götterwelt noch untrennbar miteinander verbunden und stehen in ständigem Kontakt miteinander. Gleichzeitig sind sie von böswilligen Dämonen umgeben, die es in Zeremonien durch Opfergaben zu beruhigen gilt. Die Balinesen verstehen ihre Götterwelt ganzheitlich. Ohne Böses kann es nichts Gutes geben, aber beide Kräfte müssen miteinander im Ausgleich stehen, um zu verhindern, dass die böse Seite die Oberhand gewinnt. Dieser Dualistische Ansatz soll durch Zeremonien in Balance gehalten werden und dazu dienen auch die beiden Feste Ogah Ogah und Nyepi, aber auch die täglich dargebotenen kleinen liebevoll zubereiteten Opfergaben,
Ein Ogah Ogah zieht durch die Straße
die jeder Haushalt von Gebeten begleitet auf den Boden legt, wo sich die bösen Dämonen, die sogenannten Buta-Kalas, aufhalten und beruhigt werden sollen. Diese kleinen täglichen Opfergaben enthalten zumeist ein wenig Reis, Früchte und Blüten. Diese Woche fanden eine Reihe von exotisch anmutenden Ritualen statt, die von farbenfroh gekleideten und fröhlichen Balinesen praktiziert wurden. Einmal im Jahr am Ende des balinesischen Jahres werden die so genannten Bhuta Yadnaya Riten vollzogen. Bei der Melasti Prozession vor zwei Tagen sind wir von Culik aus nach Amed ans Meer gelaufen. Dabei tragen die Tempelgemeinschaften ihre kleinen hölzernen Tempelschreine, in denen die Götter Platz nehmen, wenn sie zu den jeweiligen Tempelfesten von den Dorfbewohnern eingeladen werden. Diese kleinen Schreine, die man Pratima nennt, müssen in einer rituellen Zeremonie am Meer gereinigt werden. Die Prozessionsteilnehmer tragen zum Zeichen der Reinigung weiße Kleidung und auch für die Teilnehmer dient dieser Prozess der inneren Reinigung und Vorbereitung auf Nyepi. Wer mit sich nicht im Einklang ist, der leidet unter
Leteh – er ist, nach balinesischem Glauben, unrein. Man könnte auch sagen: nicht mit sich im Reinen. Ein besonders schönes Ritual wird daher zu diesen Festtagen vollzogen, es heißt Melukat und dient der Säuberung des Karmas. Balinesen führen es in regelmäßigen Abständen durch, um sich von schlechten Gedanken, ihren Verfehlungen und schlechten Einflüssen von außen zu reinigen.
Ogah Ogah ziehen durch die Stadt

Gestern begann die Abschluss Zeremonie, die in dem Ogah Ogah Umzug endet, mit dem Gebet und den hierfür nötigen Opfergaben. Farbenfroh gekleidete und lustig schwatzende Balinesen kamen an der Kreuzung des Dorfes zusammen und versammelten sich dort zum gemeinsamen Gebet. Denn am letzten Tag des Balinesischen Jahres werden in jedem Dorf spezielle Opfergaben für die Dämonen an der Hauptstraße oder Hauptkreuzung des Dorfes niedergelegt und gemeinsam wird mit den höchsten Dorfpriestern um Frieden gebetet. Zuvor tanzen noch die anmutigen Legong Tänzerinnen ihren Tempeltanz und auch der gute Barong bewegt sich für das Wohl der Dorfbewohner. Der Barong ist ein Sammelname für ein mystisches Wesen, das zumeist in Tiergestalt auftritt. Hier in unserem Dorf tanzt für uns ein löwenähnliches Tier der so genannte Barong Ket. In dem Kostüm des Barong Löwen schwitzen zwei Männer, die jeweils die Vorder- und die Hinterbeine des Barong bilden und bei ihrem Tanz in Felle gekleidet sind. Der Vordermann trägt dazu eine riesige Maske und lässt dabei deren Kiefer Furcht erregend gegeneinander klappern. Dem balinesischen Glauben nach besitzt ein Barong eine ungeheure magische Kraft, die sowohl zum Schutz der Menschen als auch gegen diese gerichtet sein kann. Der Höhepunkt des Festes findet nach dem Gebet und den Opfergaben statt. 14 Banjars (Dorfgemeinschaften innerhalb des Ortes) haben jeweils ein furchterregenes
Abends werden die Figuren beleuchtet
Ogah Ogah-Monster aus Bambus, Holz und Pappmache gebaut. Fantasievolle, künstlerische Fabelgestalten ziehen mit ihren jungen Trägern durch das Dorf. Im Zentrum beim Markt werden die Gestalten von ihren Trägern hin- und hergeschüttelt, und mit viel Gelächter gedreht und um den Dorfmittelpunkt getragen. Gamelanorchester, Fackeln, Geschrei und Feuerwerkskörper begleiten den lustigen Zug. Ziel ist es, das Böse in den Ogah Ogah Figuren zu fangen. Die Dämonen sollen in diese Figuren hinein gelockt werden, um die Figuren -und damit alles Böse - am Ende zu verbrennen. Am nächsten Tag beginnt mit dem Nyepi Fest das neue balinesische Jahr. Ein Tag der Stille und Einkehr! Die Balance und Ganzheit des balinesischen Kosmos scheint damit vorerst wieder hergestellt zu sein.
Zwei Wochen nach dem Neujahrsfest finden die Riten ihren krönenden Abschluss in einer 22 tägigen Zeremonie im Muttertempel Besakih, zu dem alle gläubigen Hindus strömen: Mauern und Pagoden klettern den grünen Vulkanberg Agung hinauf. Bunte Schirmchen stehen zwischen den einzelnen in sich abgeschlossenen kleinen Tempelkomplexen in 900 Metern Höhe. Die Luft ist erfüllt von den duftenden Essenzen der Räucherstäbchen und farbenfroh gekleidete Frauen balancieren elegant ihre Opfergaben auf ihren Köpfen in den Tempel.
Die Balinesinen tragen ihre jedes Jahr wechselnden Kabajas, erotisch durchsichtige Blusen, die zarte dunkle Haut durchscheinen lassen und ihren Sarung, eine Art Wickelrock, der weich die Hüften umspielt. Auch die Männer sind festlich gekleidet mit dem Kain, einem langen gefalteten Tuch, das, kunstvoll um die Hüften geschlungen, mit dem Sabuk, einem bunten Schal befestigt ist. Der Kopf wird ebenfalls von einem gefalteten Tuch, dem Pemangku, bedeckt, der an Feiertagen auch als Helmersatz dient und –trotz Helmpflicht- von der Polizei erlaubt ist.
Liebevoll gestaltete Figuren sind der ganze Stolz
Große moosüberwachsene Sessel aus Stein und durch ihre Steinmetzarbeiten beeindruckenden Schreine, warten darauf, dass die verstorbenen Ahnen und die Götter auf ihnen Platz nehmen, um den Besuch der Balinesen zu empfangen.Vor den Tempeln liegen Blumen und Reis als Opfergaben. Alles ist schön und mit Liebe zum ästethischen Detail dekoriert. Jeder auf Bali scheint ein Künstler zu sein mit großer Liebe für die kleinen Dinge.
Ich fahre zum Bhatara Turun Kabeh auf 900 Meter hinauf zum Muttertempel, der höchste der balinesischen Tempelanlagen. Das Fest beginnt stets nach dem ersten Vollmond nach Nyepi, im März oder April. Alle 100 Jahre wird das Fest Eka Dasa Rudra genannt, dann wird hier 6 Wochen lang gebetet und geopfert. Auch im Jahre 1963, dem Jahr des Ausbruchs des Gunung Agung, wurde es in dieser Form begangen.Trotz seiner Lage am Fuße des Vulkans blieben der Tempel Besakih und die Gläubigen verschont, da sich der Lavastrom genau vor dem Tempel teilte. Für die Balinesen ein untrügliches Zeichen für die Heiligkeit dieses Ortes. Seine erste Terrasse ist der Trimurti geweiht, der Trinität der hinduistischen Götter Brahma, Vishnu und Shiva. Brahma verkörpert den Wunsch zu erschaffen- auf diese Art entstand das Universum-.Shiva verkörpert den Wunsch, alle Dinge zu zerstören und Vishnu scließlich bildet die Mitte zwischen beiden: Er will Bestehendes erhalten.
Je höher wir die Stufen des Tempels hinaufsteigen, umso reichhaltiger und filigraner werden die
Besakih Muttertempel in 900 Metern Höhe am Fuße des Vulkans Agung - Amed Scuba Tauch-und Kulturtour
Steinmetzarbeiten der Tempelanlagen, um die jeweilige höhere Kastenzugehörigkeit zu dokumentieren. Auf Bali existieren drei Kasten. Die meisten Balinesen gehören der untersten Kaste an, deren Tempel am Fuße des gesamten Komplexes zu finden sind. Adlige und Brahmanenpriester haben ihre Tempelkomplexe in
Besakih Muttertempel - Amed Scuba Tauch- und Kulturreise
höher gelegenen Regionen und befinden sich somit dem Sitz der Götter, dem Vulkan Agung, am nächsten.
Über 90% der Balinesen gehören der Hindu-Dharma Religion an. Diese hat zwar ihren Ursprung in Indien, gelangt in Bali jedoch zu eigener Ausprägung. Die gegenüber anderen Kulturen und Religionen als liberal geltenden Balinesen passten sich bei der Ausübung ihrer Religion den bereits vorhandenen lokalen Verhältnissen an, was zu der speziellen und faszinierenden Form des balinesischen Hinduismus führte. Der balinesische Glaube enthält stark animistische Züge, so glauben die Balinesen an die Beseeltheit aller Dinge: Lokale Gottheiten, Naturgewalten, aber auch Steine, Bäume, Flussläufe, Ahnengeister und Dämonen finden besondere Verehrung.


Alle 210 Tage feiert der Balinese seine wichtigsten Tempelfeste: Galungan und Kuningan.
Balinesinen auf dem Weg in den Tempel-Amed Scuba Tour
Galungan, ein Fest zu Ehren des Schöpfergottes beginnt mit einem großen Festessen. Am folgenden Tag fährt mancher Balinese verkatert zu den Ahnentempeln, um für und mit den Geistern der Ahnen zu beten, die an diesem Tage auf die Erde herarbsteigen. Die Nachkommen bringen ihren Verstorbenen Opfergaben in die Tempel. Die Straßen sind mit Penjors- hohen Bambuspfählen- geschmückt, an denen kunstvoll geflochtene Lamak, Flechtarbeiten aus Kokospalmenblättern, Früchte, Kokosnüsse, Geld oder auch eine gefüllte Cola-Flasche hängen. Symbole, die Glück und Wohlstand brimgen sollen. Am Abend ziehen tanzende Barong Puppen, begleitet von kleinen Orchestern durch die Straßen. Am zehnten Tag der Galungan Festtage wird zum Abschluss Kuningan gefeiert. Dann werden alle auf die Erde zurückgekehrten Ahnen mit neuen Opfergaben und Flechtarbeiten verabschiedet. Ein Balinese scheint mindestens ein Drittel seines Lebens mit Feiern und der Huldigung der Götter beschäftigt zu sein. Hierzu gehören Voll-und Neumondzeremonien, Verteilung der täglich zu erstellenden Opfergaben im Garten, sowie die liebevoll vom ganzen Dorf vorbereiteten Odalanfeste zum Geburtstag des Tempels, bei denen geöffnete Tempelschreine durch die Straßen getragen werden und einen Blick auf die das Dorf beschützenden heiligen Statuen ermöglichen. Hierbei finden auch die sogenannten Kris Tänze statt, bei denen sich junge Männer in Trance meditieren und sich dann kraftvoll Schwerter in ihre nackten Oberkörper stechen, ohne dabei auch nur einen Tropfen Blut zu vergießen.
Tauchtour Amed Scuba Kris-Dance
Zu den liebevoll vorbereiteten farbenfrohen Zeremonien gehören auch Hochzeiten, Geburten und insbesondere die aufwendig zelebrierten Verbrennungszeremonien. Die Totenfeiern geben den Balinesen die Gelegenheit, die Seele des Verstorbenen dem Feuer zu übergeben,dem letzten reinigenden Element bevor die Reinkarnation stattfinden kann. Erst nach dem Durchlaufen der Erde, des Feuers, des Rauches und der Übergabe in das Wasser wird der Tote in seiner Familie wiedergeboren werden: Der Kreislauf des Lebens beginnt erneut!
Amed Scuba wishes you a Happy New Year. In March you can experience the Balinese way to welcome their New Year. Nyepi Day itself is a day of complete silence. No people - no traffic on the street, no lights, no sounds - only the connection with the nature. Everything is closed, even the seaports, airports and the airspace above Bali. Only birds, frogs and the roosters seem to be alive.
What can you do, as a down-to-earth Balinese depending on the fancies of the Gods, to make your year as prosperous as possible. Right, you remove all bad influences. And how do you achieve that? You scare them away ;-) In the night before Nyepi people make giant, more than man-high papier-mache dolls, known as Ogoh Ogoh. They symbolise greedy demons with large bulging eyes, huge fangs, big bellies and tangled wings and tongs. The night before Nyepi, around sentset they start, the people parade in the streets, carrying their creations on bamboo platforms, accompanied by gongs, drums and everything that makes earsplitting sounds. Evil spirits will be attracted by this and occupy the Ogah Ogah. On the nearest cementary or  beach the demonic dummies with their fiendish inhabitants are burned, so for that moment the island is out of danger!
Ogah Ogah at the ceremonie

To misguide the spirits who might want to return to their dwellings, the next 24 hours Bali is darkened and silent. No evidence of the presence of any human being, no Bali. Thus the demons can´t find their way back and will have to look for another accommodation. 
Consequence for you as a tourist: you are supposed to stay within your hotel compund from 6am until 6am the next morning. The streets will be patrolled by Pecalang, traditional ritual guards in black and white checkered sarongs, black t.shirts and a red waist- and headband. They are very, very strict. Anyone breaking the rules and thus endangering Bali´s future, tourist or Balinese, will be severely fined. So finally you can finish that book you brought and rediscover the sounds of nature. Because hotels have dispensation, your hotel staff will perform their normal duties but on a limited level. 

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