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Mittwoch, 10. Dezember 2014

Oktopus, Sepia und Co. - Cephalopoda - Kopffüßler

Christine Sbick für Amed Scuba
Mimik Oktopus - größter Verwandlungskünstler, Amed Scuba
Wer einmal in ihre Augen geblickt hat, wird sie sobald nicht mehr vergessen. Eine der interessantesten und spannendsten Tiergruppen im Meer sind die Kopffüßer.
Was macht diese Tiergruppe so interessant? Ich persönlich finde die folgenden Punkte einfach unglaublich spannend und wissenswert!



1. Kraken und Sepien sind wahre Künstler der Tarnung. In sekundenschnelle können sie sich dem Untergrund in Farbe und Form anpassen. Aber sie können ebenso andere Arten kopieren, um getarnt zu sein und nicht gefressen zu werden.
Amed Scuba - Farbwechsel durch Chromatophoren
2. Riesen- und Kolosskalamare oder Riesentintenfiscfhe leben in großen Tiefen und faszinierten schon in alten Seefahrer Sagen. Ein Kolosskalamar kann bis zu 10 Meter groß werden und 450 kg wiegen. Was berichten die neuesten Forschungsergebnisse über diesen Riesen Oktopus?
3. Ein Auge eines Oktopuses besitzt die selben Sehleistungen wie ein menschliches Auge, obwohl es sich komplett unterschiedlich entwickelt hat.`Wie ist das Auge des Oktopus aufgebaut?
4. Die neuronale Leitung eines Kopffüßlers ist enorm schnell. Signale werden in großer Geschwindigkeit durch den Körper geleitet. Wie funktioniert diese neuronale Signalweiterleitung
5. Das Perlboot - zu dem auch der Nautilus gehört - ist ein lebendes Fossil. Wie lebt dieses lebenden Fosil?

Kokusnuß Oktopus, Amed Scuba


Doch wer gehört noch alles zu dieser Tiergruppe der Cephalopoden, die an die 1000 Arten umfasst?
Kopffüßler... Ein Name, der nicht besser gewählt sein könnte, denn schaut man einem Kraken in die Augen, so scheint er nur aus Augen, Kopf und Füßen zu bestehen. Einen Rumpf scheint es nicht zu geben. Ein Irrtum, denn dem hoch entwickelten Kraken fehlt es an nichts. Er besitzt ein Gehirn, innere Organe, davon sogar drei Herzen: ein Hauptherz für Gehirn und Körper, sowie zwei Kiemenherzen für die Atmung und diese berühmten dem menschlichen Auge so ähnlichen hochentwickelten Krakenaugen, die sich parallel voneinander entwickelt haben und zu Meisterleistungen fähig sind. Die Augen des Kraken sind die am weitesten entwickelten

Sepia, Amed Scuba Bali: http://www.amedscubabali.com

Sehsinnesorgane der Wirbellosen

Es handelt sich um Linsenaugen, die dem Vergleich mit dem Auge eines Wirbeltiers durchaus standhalten können. Und doch einen ähnlichen Aufbau aufweisen, obwohl sie komplett anderen Ursprungs sind. Da die Augen der Weichtiere sich auf einem anderen Weg entwickelt haben, da sie aus der Epidermis des Tieres hervorgehen während es sich bei den Wirbeltieren um Ausstülpungen des Gehirns handelt. Die Augen von Wirbeltieren und Cephalopoden sind daher trotz gleicher Funktionsweise unterschiedlich aufgebaut. Die Netzhaut eines Krakenauges entsteht als Teil des Augenbechers und wird erst später von Nervenfasern des Sehnervs versorgt. Daher deuten die Lichtsinneszellen in der Netzhaut eines Kraken ins Augeninnere. Darin unterscheidet sich das everse Weichtieraugen deutlich vom inversen Wirbeltierauge, in dem die Lichtsinneszellen der Retina erst sekundär durch das Einwachsen des Sehnervs in den Augenbecher angelegt werden und daher in den Augenhintergrund deuten.
Sepia - Amed Scuba Bali
Arme weisen Cephalopoden von 8 bis zu 100 auf. Vereinfacht gesagt, haben Kraken acht Arme, alle anderen zehn und die Perlenboote- wozu auch der Nautilus zählt-  100 Arme, aber ohne Saugnäpfe. Alle anderen Cephalopoden besitzen acht Arme, jedoch haben die Sepien und Kalmare neben ihren acht Armen weitere zwei Fang-Tentakeln besitzen.
Neun Gehirne besitzen die Oktopusse - wie oft behauptet - nicht. Es handelt sich hierbei um zentrale Ganglien (Nervenknoten), die zahlreiche Neuronen aufweisen jedoch werden alle Bewegungen vom Haupthirn zentral gesteuert. Ein Ganglion alleine macht noch kein Gehirn aus. Das eigentliche Gehirn ist die
Nachttauchgang mit Amed Scuba, danke für das Bild Rhonwyn Ernesto
zentrale Leitstelle von der alle Ganglien aus kontrolliert und gesteuert werden. Wäre das nicht so, würde jedes Ganglion ein Eigenleben führen und würden sich vermutlich unkontrolliert bewegen. Würde man einen Arm des Oktopusses abtrennen, so ist dieser nicht überlebensfähig. Sinn macht dies, da bei Fluchtreaktionen die Koordination synchron geregelt werden muss, um ein Entkommen zu gewährleisten. Alles wird komplett vom Zentralen Gehirn im Zentrum des Oktopusses koordiniert.
Fest steht: In jedem Arm der Krake befindet sich ein Ganglion. Die Ganglien bestehen aus äußerst vielen Nervenzellen und machen es der Krake möglich, jeden einzelnen Arm unabhängig voneinander zu bewegen. Jedes dieser neun Ganglien ist mit dem zentralen Gehirn vernetzt, von dem aus die Bewegung koordiniert wird. Kraken haben also keine neun Gehirne. Ein Knotenpunkt von vielen Nervenzellen macht noch kein selbstständiges Gehirn aus.
Amed Scuba Bali

Tarnung und Farbwechsel

Was haben eine Seeschlange, eine Nacktschnecke, ein Rochen und ein Plattfisch gemeinsam? Sie werden zur Tarnung von einem Mimik Oktopus imitiert. Mimikry ist die englische Bezeichnung für Nachahmung. Es ist bekannt, dass Kraken Meister der Tarnung sind und sich in Windeseile Ihrem Untergrund in Farbe und Form anpassen können. Aber das diese Mimik Oktopusse andere Tiere in Farbe, Form aber vor allem nicht nur optisch sondern ebenfalls im Verhalten nachahmen können, erfordert eine genaue vorangegangene Beobachtungsgabe. Ahmen sie eine Seeschlange nach, so sind sie sicher vor Fressfeinden. Aber auch wenn sie eine Flunder imitieren, so bewegen sie sich wie diese langsam über den Boden. 

Hochzeitstanz zweier Sepien, Amed Scuba, Foto Rhonwyn Ernesto
Aber wie funktioniert so ein Farbwechsel, der in Sekundenschnelle vor sich geht?
Das Geheimnis sind die sogenannten Chromatophoren. Der physiologische Farbwechsel findet in den sogenannten Chromatophoren statt. Dabei handelt es sich um Pigmentzellen, die bereits Farbstoffe eingelagert haben. In der Regel ist das Pigment - also der Farbstoff - in der Mitte der Chromatophoren gleichmäßig lokalisiert und die Haut des Tieres erscheint dann hell. Im Unterschied zur aktiven Pigmentverlagerung innerhalb der Zelle wie bei Fischen, Amphibien und Reptilien, wo sich die

Amed Scuba, Farbwechsel beim Oktopus
Pigment-Granula aktiv anhäufen, können die Cephalopoda die Gestalt der Chromatophoren ändern. Hier setzen an der Zelloberfläche der Pigmentzellen radiäre glatte Muskelfasern an, die zusammengezogen werden können. Bei der Kontraktion der Fasern wird der Chromatophor unter Entfaltung der Zellmembran zusammen mit dem sogenannten Pigment-Sack, der die Farbgranula (in rot, gelb und schwarz) enthält, zu einer flachen Scheibe gedehnt, was zu einer Farbvertiefung führt. Dabei ist wichtig, dass die Farbzellen nicht nur über ein einzelnes Pigment verfügen, sondern mehrere unterschiedliche Farben (gelb, rot und schwarz) in den Chromatophoren eingelagert haben. Daher werden diese auch als polychrome Chromatophoren bezeichnet. Dadurch entstehen Mischfarben. Die Steuerung der Chromatophoren erfolgt nerval und hormonal. Der physiologische Farbwechsel dient dabei der Tarnung durch farbliche Anpassung oder auch der Signalwirkung für Artgenossen, Konkurrenten oder auch für Freßfeinde.
Die Verwandtschaftsgruppe der Tintenfische begannen vor ungefähr 100 Millionen Jahren zu einem enormen Evolutionssprung an. In dieser Zeit begann ein harter Konkurrenzkampf im Ozean, um ökologische Nischen. Diese Konkurrenz führte dazu, dass die intelligentesten und an ihre Umgebung am Besten angepassten Lebewesen ihre Nische finden konnten. 

Amed Scuba Bali - Foto Fabio Strazzi
Obwohl Cephalopoden kein festes Rückrat besitzen, gehören sie durch ihre Reaktionsgeschwindigkeit ihrer Neuronen zu den am schnellsten reagierenden Tieren des Tierreiches. Diese Sinnesleistung ermöglicht es der Tiergruppe der Cephalopode, die mit fast 1000 Arten in den Weltmeeren vertreten ist, eine weite Verbreitung bis in die Tiefsee. Die Wassertemperaturen sind ihnen egal, sie haben eine weltweite Verbreitung und stellen dadurch die größte wirbellose Eine Dokumentation auf Arte gibt über ihr geheimnisvolles Leben ein wenig Preis.

Amed Scuba, Oktopus
Tiergruppe dar. Tief im Meer herrscht große Dunkelheit und ein hoher Druck. Der Lebensraum der Riesenkrake liegt in ca. 700 Meter Tiefe. Ein Monster in der See, von der bereits in alten Seemanssagen berichtet wird. Vor Neuseeland ist ein 450 kg schweres Exemplar geborgen worden, das heute eingelegt im Museum zu bestaunen ist. Die Riesenkrake (Archae teutis) besitzt riesige Augen, um in der Dunkelheit überhaupt etwas wahrnehmen zu können. Tote Exemplare mit Durchmessern von 20 Metern und Augen so groß wie Menschenköpfen wurden an den Strand gespült. Mit über 2000 Saugnäpfen versehen, halten sie ihre Opfer fest und zermalmen sie in der Tiefsee.
Liebe Grüße aus Bali von Amed Scuba Bali und
Herzlich Willkommen bei uns bei

Sonntag, 7. Dezember 2014

Muckdiving mit Amed Scuba - Artikel im Magazin Aquanaut

Bali ist ein Paradies für Unterwasserfotografen auf der Suche nach ungewöhnlichen
Clownfrogfisch in Amed

kleinen Lebewesen, die verborgen und gut getarnt zumeist im schwarzen Vulkansand

leben. „Muck-Diving“ nennen wir diese Tauchgänge, die vor allem in trüben oder

schlammigen Gewässern stattfinden. Ziel unserer fotografischen Jagd: So genannte

Critter, also kleine und bizarr aussehende Meereslebewesen.

Mimik Oktopus
Mimik Oktopus
Lieblingsobjekt vieler erfahrener
Unterwasserfotografen ist der
grösste Verwandlungskünstler der
Tierwelt, der seltene Mimik Oktopus. Zu
ihm gesellt sich ein Meer an wunderschönen
Nacktschnecken, Geisterpfeifenfischen,
Schaukelfischen, Geistermuränen
und Anglerfischen – genauer gesagt klitzekleinen
Krötenfischen. Diese seltsam
geformten Winzlinge machen den Charme
aus von Puri Jati, Secret Bay, Seraya,
Melasti, Amed, Tulamben und noch vielen anderen unbenannten
Tauchplätzen vor Bali, die die
perfekte Motivpalette für jeden Makrofotografen
bieten.
Muck-Diving ist eine Form des Tauchens, die zunächst mal wenig gemein hat mit
dem Klischee von tropischen Tauchgebieten.
Statt Korallengärten und grossen bunten
Fischschwärmen trifft der Taucher auf
zumeist deutlich eingeschränkte Sichtweiten
in einer wenig inspirierenden
Unterwasserlandschaft. Der auf den ersten Blick
trostlose schwarze Lavasand ist
obendrein gespickt mit allerlei Abfall beginnend
mit Autoreifen über balinesische
Zeremonienüberreste bis hin zu Plastikmüll.


Doch wer diese Art des Tauchens
liebt, der gleitet im Zeitlupentempo vorsichtig
Krötenfisch
dahin, untersucht jeden Stein und
jeden Unrat, um nach getarnten bizarren
Winzlingen zu suchen, die sich darunter verstecken
könnten. Neben der Lembeh
Strait im äussersten Norden Sulawesis
hat sich auch Bali zu einem Geheimtipp
für „Muck-Diving“ – frei übersetzt
„Schlamm tauchen“ – entwickelt. Für Un -
terwasserfotografen sind diese ungewöhnlichen
Spots ein Paradies – ein Paradies
der kleinen Monster.

Mit Amed Scuba auf Critter-Suche

Auch in der Ghost Bay, am Spot Melasti
und sogar um das riesige Wrack der US





Denise-Zwergseepferdchen (Hippocampus denise)
Zwerg-Seepferdchen (Hippocampus bargibanti)
Liberty herum kann man sehr gut auf Critter-
Jagd gehen. Es ist nichts Ungewöhnliches,
wenn man beim Abtauchen zum
Wrack kleinen Krötenfischen, Harlekin-
Geisterpfeifenfischen, Harlekin-Garnelen
oder auch einem Mimik Oktopus begegnet.
Entspannt und mit ruhigem Flossenschlag
Krötenfisch
– um nur ja keinen Sand aufzuwirbeln
– schwimmt Diveguide Brata über
den dunklen, aus Geröll und vulkanischem
Sand bestehenden Boden. Wie eine
Meditationsübung mutet es an, wenn der
balinesische Divemaster des Amed Scuba
Tauchzentrums mit seinen vor dem Körper
verschränkten Händen langsam vorwärts
gleitet und dabei seinen Kopf hin
und her bewegt. Akribisch tasten seine
Augen den Untergrund nach irgendeiner
ungewöhnlichen Bewegung, Farbe oder Form ab. Hat sich da etwas
bewegt neben dem mit Algen
bewachsenen Reifen?
Gehören die abgerundeten
Umrisse unter den verhedderten
Seilen vielleicht zu
einem Krötenfisch oder einem
Geisterpfeifer, der kopfüber
parallel zum Seil treibt?
Schaukelfisch
Bratas Job hat etwas von einem
Spurensucher, der ungewöhnlichen
Strukturen folgt, sie beobachtet
und seine Schlüsse daraus zieht. Unter
Wasser ist Brata der Boss. Seine Augen
funktionieren aussergewöhnlich gut.
Dann ein Griff zum Stab, und es macht
„klong-klong“ am Tank. Jetzt weiss unsere
kleine Tauchgruppe: Brata hat einen
weiteren Critter gefunden, und die Blicke
der Taucher folgen seinem Zeigefinger.
Ob es diesmal wohl ein Anglerfisch, eine
Geistermuräne, ein Schaukelfisch, eine
Garnele oder gar ein Zwergseepferdchen
ist? Dann sehen auch wir den im Sand gut
getarnten fransigen Haufen, der im ersten
Moment abgestorbenem Seegrass gleicht,
und der fortan im Mittelpunkt unseres
Interesses steht: Ein „Zottiger Anglerfisch“,
nur wenige Zentimeter gross, der
aussieht, als wären ihm am ganzen Körper
Haare gewachsen. Wenig belustigt scheint
er uns anzugähnen. Ein Verteidigungsmechanismus,
wie uns Christine, die Biologin
und Leiterin der Basis hinterher er klärt. Grösse wird dadurch vorgespielt. Während die
Tauchgäste sich noch über den kleinen Krötenfisch
beugen, ihn bestaunen und Fotos schiessen, screent
Brata mit geübtem Blick bereits weiter den Untergrund.

Amed Scuba,

die ganz besondere Basis
Grundel

Brata arbeitet als Divemaster in der Tauchbasis
Amed Scuba. Die kleine Basis unter deutscher Leitung
hat sich zu einer der beliebtesten Basen der Insel
entwickelt. Empfehlungen der Kunden auf Tauchernet
und anderen Online-Plattformen sprechen
eine deutliche Sprache über die Begeisterung der
engagierten Crew fürs Tauchen im Allgemeinen und
für die Unterwasserbewohner im Speziellen. Individuelle
Betreuung wird hier gross geschrieben. Immer
wieder kommen die zufriedenen Gäste hierher
zurück, um mit dem ebenso erfahrenen und wie liebenswertem
Team von Amed Scuba in familiärer
Atmosphäre abzutauchen. Besonders beliebt sind
die inselüberspannenden Tauchreisen von Amed
Scuba, auf denen man die unterschiedlichsten
Tauchplätze Balis besuchen kann und dank der
Unterbringung an den weit auseinander liegenden
Spots nur kurze Anfahrtszeiten hat.
Besonders gut ist Amed Scuba auf Unterwasserfotografen
auf der Suche nach dem Besonderen vorbereitet.
Getaucht wird nur in kleinen Gruppen. Fotografen
tauchen hier nur mit Fotografen zusammen,
damit sie sich ausreichend Zeit für ihr Foto nehmen
können. Andere Taucher sind mit einem weiteren
Guide unterwegs. Nach dem Tauchen stehen grosse
Lexika zur Verfügung, und man kann mit der Biologin
Christine über das Gesehene philosophieren. „Unseren Guides kann man sogar einen Wunschzettel
überreichen, und sie werden ihr Bestes tun und
nicht ruhen, bis sie das Gewünschte gefunden haben“,
sagt die Basenleiterin nicht ohne Stolz. Auf
diese Art taucht auch der italienische Unterwasserfotograf
Fabio Strazzi. Bevor Fabio mit Diveguide
Brata loszieht, zeigt er ihm seine Liste mit Namen
und Bildern, und Brata erklärt, an welchem Tauchplatz
die beste Chance besteht, diesen oder jenen
Critter zu finden und abzulichten. Dann ruht Brata
keinen Augenblick. Nach 6 Tagen und 20 Tauchgängen
haben die beiden Fabios lange Liste „abgearbeitet“,
und stolz präsentiert Fabio seine wunderschöne
Ausbeute. „Nächstes Jahr bin ich wieder da!“ Einige
seiner gestochen scharfen Bilder will der Perfektionist
noch einmal wiederholen, und bestimmt steht
dann noch weitere Spezies auf seiner Liste.
Der Blick auf das Besondere
Fast jeder Wunsch an bizarren Lebensformen kann
von Amed Scuba erfüllt werden. Schliesslich wartet
kaum ein anderes Gebiet weltweit mit einer solchen
Dichte an bizarren Kreaturen auf wie die Critter
Spots vor Bali. „Die Artendichte ist neben der Lembeh
Street einmalig!“ verspricht Basenleiterin Christine.
Obwohl die angesagtesten Tauchgebiete Balis
direkt vor ihrer Haustür liegen, die mit farbenprächtigen
Hart- und Weichkorallen verzaubern, steuert
das Tauchcenter auf Anfrage auch gerne die Secret
Bay, Puri Jati, Seraya Secret, Melasti und andere
Muck-Tauchplätze von Nordosten bis Nordwesten
des Inselparadieses an. „Ich verstehe es selbst
nicht“, erzählt Brata. „Rund um die Liberty, Gili Selang,
Amed, Bunutan und Menjangan gibt es Riff-haie, Thunfisch- und Barrakudaschwärme
oder riesige Muränen. Ab und zu kommen
sogar Delphine, Mondfische und Mantas
vorbei. Trotzdem zählen die Muck-Diving
Plätze mittlerweile zu unseren beliebtesten
Spots.“ Brata, der neben Englisch
auch fliessend Japanisch spricht, ist die
Begeisterung anzumerken: „Es ist wundervoll,
wie verrückt die Taucher auf die
Critter sind. Manche scheinen fast süchtig
nach Anglerfisch und Co. zu sein“, sagt
der studierte Künstler, dessen Bilder und
Skulpturen bereits mehrfach auf Bali ausgestellt
worden sind. „Das Suchen, das
Finden, das Zeigen – es ist wie mit einem
Bild. Man sucht nach der perfekten Harmonie.
Und diese kleinen Monster gehören
einfach dazu.“ Der Anglerfisch sei
übrigens sein Liebling, erklärt Brata, während
er dessen Gang und Atembewegung
imitiert. Er habe sogar schon Angerfische
bei der Paarung beobachtet, wenn die Angel
wild zu zucken und Blitze auszusenden
scheint – ein für ihn unvergesslicher
Augenblick!
Es gibt viel zu zeigen
und zu erklären
Nur wenige Meter hinter dem zottigen
Anglerfisch stösst Brata auf einen kopfüber
schwimmenden Harlekin-Geisterpfeifenfisch,
rot-weiss gestreift und beinahe
transparent. In seiner grazilen
Schönheit ist er eines der beliebtesten Fotomotive
seiner Gäste. Wieder macht es
„klong-klong“, dann das erneute Blitzlichtgewitter.
Geisterpfeiferfisch
„Der Geisterpfeifenfisch gehört
zusammen mit den hier anzutreffenden
Seenadeln und Pygmäenseepferdchen zur Familie der Pfeifenfische, die allesamt
Meister der Tarnung sind. Die bevorzugte
Umgebung wird perfekt in Farbe, Muster
und Form nachgeahmt. Die Tiere bewegen
sich möglichst wenig und verlassen sich
ganz auf ihre Unsichtbarkeit“. Die Hausbiologin
hat nach jedem Tauchgang viel
zu erklären, während wir unsere Fotos
sichten.
Warum gerade die Sandflächen von Puri
Jati, Seraya Secret, Secret Bay, Melasti
oder vor der US Liberty derartige Lebewesen
anziehen, kann die Biologin auch
nicht mit letzter Sicherheit sagen. Allerdings
scheint das Einfliessen von Flusswasser
eine gewisse Rolle zu spielen,
ebenso das grosse Nahrungsangebot infolge
der stark spürbaren Gezeiten. Auch
das Fehlen von grösseren Fressfeinden
und die guten Versteckmöglichkeiten sind
von Bedeutung. „Oftmals sind es kleine,
schwache Tiere oder solche, die sich nicht
von der Stelle bewegen können“, erklärt
uns Christine. Ihre Formen scheinen sich
auf dem Lavasand geradezu aufzulösen.
Die Anpassung an ihren Lebensraum erfolgt
dabei auf unterschiedliche Weise. Oftmals besitzen die im Lavasand lebenden
Tiere einfach die Farbe grau bis dunkel
sandfarben. Die Seezunge hingegen
kann sowohl ihre Farbe ändern als auch
das Muster und die Struktur des Untergrundes
auf ihrem Körper widerspiegeln.
Mit Hilfe ihrer Chromatophoren vollzieht
sie die Anpassung an den jeweiligen
Untergrund binnen kürzester Zeit. Auf
feinem Sand präsentiert sie ein feinkörniges
Farbmu ster, auf grobem Sand grossflächigere
Flecken. Partnergarnelen, die
auf Seeanemonen leben, haben einen
anderen Mechanismus entwickelt: Sie
sind durchsichtig und haben weisse Punkte
auf dem Schwanz und auf der Seite.
Damit kann der Körper von einem Jäger
nicht mehr als zusammenhängende
Struktur erkannt werden.
Bei unseren Muck-Tauchgängen wird es
uns keine Sekunde langweilig. Ausser -
dem haben ja auch die Korallengärten
Balis gleich um die Ecke noch viel zu erzählen.

I N F O B L O C K :
AMED SCUBA TAUCHZENTRUM
Adresse & Kontakt:
Amed Beach
Karangasem
Tel. +62 (0)81999123847,
halloscuba@yahoo.com und
sbick@gmx.de

I N F O B L O C K :

Sekret Bay (Gilimanuk)

Die Bucht befindet sich im Fährhafen Balis im
Nordwesten der Insel, von wo aus Transportschiffe
Bali und Java verbinden. Das Wasser
ist dort kälter und die Sicht deutlich schlechter.
Unter Zivilisationsdreck versteckt sich ein
nur magerer Fischbestand. Auch Korallen gibt
es kaum. Man taucht in einer durchschnittlichen
Tiefe von etwa 10 Metern. Was der
Taucher aber hier an kleinsten und ungewöhnlichen
Lebewesen finden kann, das
ist sagenhaft.

PJ (Puri Jati)

Nahe der Stadt Seririt liegt der Ort idyllisch
an der Küste eingebettet in wunderschöne
Reisfelder. Ein Entenwirt treibt sein Federvieh
in die Felder, wo diese sofort beginnen,
schnatternd das Wasser zu filtrieren. Nur ein
paar Meter weiter taucht man in einer Tiefe
von etwa 15 Metern an einem sehr langsam
abfallenden Hang zwischen im Sand angesiedelten
Krustenanemonen. Die Sicht kann
dabei sehr schlecht aber auch glasklar sein.
Auch hier ist der Bestand an ungewöhnlichen
Kreaturen exorbitant hoch.

Seraya Secret

Ein Hotspot für ungewöhnliche Kreaturen ist
auch der zwischen Tulamben und Amed gelegene
Tauchplatz Seraya Secret. Überall, wo
hier keine Korallen gedeihen, kann man auf
dem sandigen Terrain interessante Lebewesen
entdecken. Der Tauchplatz mit einer
durchschnittlichen Sichtweite von 15 Metern
fällt langsam in grosse Tiefen ab, wo mitunter
im kalten Wasser auch einmal Fuchsund
Hammerhaie auftauchen können

AN- UND EINREISE:
Taucher bewältigen den Langstreckenflug bis Denpasar am besten mit Malaysia
Amed Scuba heißt Sie herzlich Willkommen in Bali
Airlines (via Kuala Lumpur), denn die Gesellschaft befördert 10 kg zusätzliches,
angemeldetes Tauchgepäck ohne Aufpreis.
Für den Urlaubsaufenthalt in Indonesien ist ein noch sechs Monate gültiger
Reisepass erforderlich; das 30-Tage-Visum (25 US-$) wird bei der Einreise erteilt.
Vor dem Rückflug wird eine Servicegebühr von 150 000 Rupien (ca.
12 Euro) fällig.
REISEZEIT:
Bali eignet sich ganzjährig als Reiseziel. An der Nordküste fallen selbst während
der Regenzeit (Dezember–März) weniger Niederschläge als anderswo; von Ende Mai bis November regnet es gar nicht. Die Monate Oktober–November
und April–Mai gelten als die beste Reisezeit. In der Periode Juni–August
ist es gewöhnlich etwas kühler und windiger als sonst.
EMPFEHLENSWERTE LITERATUR:
BEIGOTT, S., BRAUN, O. (2012): Bali & Lombok.
Michael Müller Verlag, Erlangen.
Dieser hervorragende Reiseführer bietet eine Fülle detaillierter
Informationen. Für seine herausragende Qualität spricht, dass
die Autoren dieses Werkes mit einem ITB BuchAward 2013 in der Kategorie
DestinationAwards Indonesien ausgezeichnet wurden

Dienstag, 2. Dezember 2014

Tarnung im Riff

Echter Steinfisch (Synanceia verrucosa), Amed, Bali
Tarnung hat eine große Bedeutung im Tierreich
Tarnung ist eine der effektivsten Anpassungstechniken, die das Überleben der Art sichern. Alle Beteiligten streben dasselbe Ziel an, sowohl der Jäger als auch der Gejagte wollen nicht entdeckt werden. Lieblingsobjekt vieler erfahrener Unterwasserfotografen ist der größte Verwandlungskünstler der Tierwelt, der seltene Mimik Oktopus. Erstmals aufmerksam auf den langarmigen Kopffüßler wurde die Wissenschaft durch einen Beitrag von Mark D. Norman, Julian Finn und Tom Tregenza. In diesem Artikel berichten die Forscher über einen vermutlich bislang wissenschaftlich unbekannten Kraken vor der Küste von Malaysia der in der Lage war, diverse Lebewesen des Meeres durch Form- und Farbveränderung perfekt zu imitieren. Filme bei youtube zeigen den Mimik Oktopus bei seinen Verwandlungen in eine Seeschlange, eine Flunder, eine Nacktschnecke oder einen Feuerfisch. Diese Veränderungen stellen der Meinung der Forscher nach eine variable Form der Mimikry dar, was im Tierreich einmalig ist. Bisher wurde der Einsatz des oben erwähnten Mimikry nur zur Flucht oder zur Abschreckung eventueller Gegner beobachtet. Erstmals wurde diese Form der Tarnung bei Kraken beobachtet, die sich durch Änderung der Hautfarbe und -form einer Kokosnuss anglichen (Coconut Octopus).Im Laufer der Evolution bildeten die Tiere verschiedenste Techniken zur Tarnung aus, die exemplarisch anhand von Beispielen näher illustriert, beschrieben und erklärt werden sollen. 
Ein gutes Beispiel für Tarnung ist der echte Steinfisch Synanceia verrucosa. Er verschmilzt förmlich mit seiner Umgebung und wird selber zum unbeweglichen Stein. Er passt sein Verhalten und sein Aussehen einem Stein an und ist kaum von seiner Umgebung zu unterscheiden! Massig und kompakt, mit seinem unregelmößigen Köper, der oft mit Algen und anderen Krustentieren übersät sein kann, ähnelt der Steinfisch einem bewachsenen Korallenblock.
Schaukelfisch in Amed
Tarnung ist eine der effektivsten Anpassungsmöglichkeiten, die das Überleben der Art in Balis Riffen sichern. Alle Beteiligten  streben dasselbe Ziel an, nicht gesehen zu werden. Das klassische Beispiel  für Tarnung ist der Echte Steinfisch (Synanceia verrucosa), der ein Meister in der Kunst ist, durch Färbung und Verhalten vollkommen mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Massig und kompakt, mit einem unregelmässigen Körper, der mit Algen und anderen Organismen übersät sein kann, ähnelt der Steinfisch einenem bewachsenen Korallenfels. Seine Tarnung wird durch seine totale Bewegungslosigkeit unterstützt.
Die Körperzeichnung und Körperfärbung der Tiere ist ein faszinierendes Thema und Riffbewohner sind darin keine Ausnahme. Visuelle Eindrücke, Farbe und Form, spielen für das Überleben eine bedeutende Rolle. Dabei ist zu betonen, dass die Färbung der Tiere nicht losgelöst von anderen Elementen der Fischbiologie betrachtet werden kann. Gesichert ist, dass Farbe eine wichtige Rolle bei Verteidigungsmechanismen und Angriffsmechanismen spielen, aber auch bei der Fortpflanzung, bei der innerartlichen Kommunikation und bei territiorianlen Auseinandersetzungen. Die Vielfalt der Komplexität der beteiligten Faktoren macht eine eindeutige Erklärung oft schwierig. In der oberflächen nahen, hauptsächlich vom Licht dominierten Unterwasserwelt wird verständlich, welch wichtige Rolle Farben spielen, ganz besonders, wenn diese der Tarnung dienen. Ob zur Jagd oder zur Verteidigung.
Krokodielsfisch im Japanischen Schiffswrack Amed, Bali
Man muss dem Steinfisch schon sehr nahekommen und ihm zeigen, dass er entdeckt worden ist, bevor er abrupt und verärgert davonschwimmt. Dieselbe Technik wird von Skorpionsfischen (Scorpaenopsis sp. ), Anglerfischen, Krokodielsfischen und Seezungen angewandt. Die erfolgreiche Tarnung der Seezungen ruht nicht nur auf der Fähigkeit, sich in den Sand einzugraben. Durch den Besitz hochspezalisierter Hauzellen, den Chromatophoren, kann die Seezunge ihre Farbe der jeweiligen Bodenbeschaffenheit anpassen.
e-mail: halloscuba@yahoo.com

Ebenso geschickte Verwandlungskünstler sind die Kraken, die sich durch plötzliche Farbwechsel unsichtbar machen und ihre Körperoberfläche so verändern können, dass sie sandige, felsig oder algig erscheint. Dabei ändert sich nicht nur die Farbe, sonder n auch die Struktur der Haut, die eine feine Körnung aufweisen kann oder wirkt, als ob sie bewachsen sei.
Sogar unscheinbar gefärbte Fische wie die grossen Raubfische des offenen Meeres Stachelmakrelen, Thunfisch, Haie besitzen eine Faerbung, die perfekt zu ihrem Lebensraum passt. Das Phänomen der Gegenschattierung /bläulichschwarze Rücken und silbrigweisse Bäuche machen diese Fische nahezu unsichtbar, wenn man sie im freien Wasser sieht, von oben oder unten betrachtet. Entweder vermischt sich ihre Farbe mit der Dunkelheit aus derTiefe oder mit dem Licht, das von oben einfällt.

Krake (Octopus macropus)

Büschelbarsch (Oxycirrhites typus) Bali, Tulamben
Tarnung besteht jedoch nicht nur darin, der Umwelt zu ähneln. Es wird auch versucht, den Körper mittels somatolytischer Zeichnungen unscheinbar zu machen, ihn mittels Flecken, Bänder und Streifen aufzulösen. So wird das Auge des möglichen Feindes, Jägers oder auch Tauchers getäuscht und er kann das Gesamtbild des Tieres nicht wahrnehmen. Die auffallenden Zeichnungen verwirren das Auge, lassen Körperbereiche isoliert wirken und tauschen eine grössere Silhouette vor, als der Fischköper tatsächlich besitzt. Somit dienen die leuchtenden Farben und kontrastreichen Muster, die auf uns Menschen wie Werbeplakate wirken, dazu, die Fische eigentlich unkenntlich zu machen.
Ein Beispiel für eine gestaltauflosende Körperzeichnung und Körperfärbung ist der Langnasen Büschelbarsch (Oxycirrhites typus). Dessen rot weiss karierte Färbung verbirgt den Fisch ideal, wenn er, wie normalerweise üblich, auf Gorgonein ruht. Die sich kreuzenden Gorgoneinäste und dazwischenliegenden Lücken verschmelzen mit der Färbung des Fisches und machen ein sofortiges Erkennen schwierig.
Sehr ähnlich verhält es sich auch bei den Rotfeuerfischen. Ihre dunkelhell gezeichenten Flecken und Bänder und die deutlich verlängerten Strahlen der Brust und Rückenflossen scheinen extra dafür gebaut zu sein, den Fisch zwischen den Korallen zu verbergen.
Hyppocampus bargibanti
Gestalt, Färbung und Verhalten zusamen fördern die Überlebenschancen. Ein bekanntes Beispiel sind die Trompetenfischen (Gattung Aulostomus). Obwohl diese eine Grösse von einem Meter erreichen können, machen sie sich meist durch bewegungsloses Verharren kopfüber zwischen den Ästen von Hornkorallen unsichtbar. In der Strömung schwebend warten die Tiere auf kleien Fische, die kurzzeitig Schutz in der Koralle suchen. Mit nur weingen, kaum wahrnehmbaren Flossenschlägen bewegt sich der Trompetenfisch, öffnet sein Maul und saugt blitzartig die Beute ein. Dieser eigenartige Fisch, langgestreckt und scheinbar harmlos, ist ein listiger Jäger, der auch die Technik des Trojanischen Pferdes unter Wasser anwedet.
Ein weiteres klassische Beispiel für Tarnung ist das Zwerg Seepferdchen (Hyppocampus bargibanti), das ein Meister in der Kunst ist, durch Färbung, Form und Verhalten vollkommen mit seiner Umgebung zu verschmelzen. Diese umgebungsbezogene Tarnung wird auch als Mimese bezeichnet. Das kleine Seepferdchen lebt in einer Anemone von der sich in Färbung und Muster in keinster Weise unterscheidet. Ausgewachsen wird es nur 24 mm groß und zählt damit zu den kleinsten Wirbeltieren weltweit. Die Tiere sind wirklich extrem schwer zu entdecken. Gerne zeigen wir sie und ihre Anpassung an die Gorgonie der Gattung Muricella.